Studentin hat Petition zum Erhalt von Konrad initiiert

+
Rollt seit diesem Frühjahr durch die Stadt: Das Fahrradverleihsystem Konrad. An stadtnahen Stationen herrscht oft Leere, in Waldau (Foto) ist die Station hingegen überfüllt.

Seit Dienstag Woche gibt es eine Initiative im Internet, die sich für den Erhalt des Fahrradverleihsystems Konrad einsetzt. Mehr als 1350 Menschen haben die Online-Petition seither unterzeichnet. Wir sprachen mit der Initiatorin, Birte Biemann (24), die in Kassel Stadtplanung studiert.

Wann haben Sie sich zuletzt ein Konrad gemietet?

Biemann: Am Donnerstagmorgen von der Annastraße zur Mombachstraße, das hat super funktioniert. Ich habe zwar auch ein eigenes Fahrrad, das möchte ich aber nicht überall stehen lassen. Um flexibel zu sein, nutze ich Konrad.

Trotz der häufig angebrachten Kritik, Kassel sei zu bergig und fahrradunfreundlich?

Konrad im Regiowiki

Biemann: Ich komme vom Bodensee, wo es hügelig ist, und ich habe in Berlin studiert, wo es kein gutes Radwegesystem gibt. In Kassel kann man mit dem Rad doch alles gut erreichen. Ich gebe zu: Mit dem Weinberg und dem Schloss Wilhelmshöhe gibt es zwei Ausnahmen. Im Zweifel muss man hier gewisse Areale einfach umfahren, aber die kleinen grünen Hinweisschilder bieten da gute Orientierung. Von Radfahrern selbst habe ich übrigens noch nie gehört, dass die Stadt zu hügelig ist.

Stadtbaurat Christof Nolda will den Semesterbeitrag für Konrad von einem auf drei Euro erhöhen - die Studentenvertretung Asta lehnt das als unfair ab. Welchen studentischen Beitrag halten Sie für angemessen?

Biemann: In der Petition steht, dass drei Euro angemessen sind, also zwei Euro mehr, als bislang im Semesterbeitrag vorgesehen. Viele Studenten fühlen sich von ihrem Asta nicht vertreten, der die Anhebung um zwei Euro ablehnt. Im Verhältnis zum Gesamtbetrag sind das doch nur Peanuts. Dass wir Konrad so günstig nutzen dürfen, ist ein großes Privileg.

Drei Euro scheinen immer noch wenig, um das System weiterzufinanzieren - immerhin sind mehr als 5000 Nutzer des Systems Studenten…

Biemann: Wir Studenten halten das System ja nicht nur durch diesen Beitrag am Laufen. Damit es überhaupt funktioniert, ist eine Grundauslastung nötig. Wir sichern die Grundfinanzierung für den Betreiber. Damit leisten wir bereits einen großen Beitrag zum Erfolg. Zudem entstehen Anstoßeffekte: Studenten werden dazu „verleitet“, das Angebot über die 45 Freiminuten hinaus zu nutzen. Auch wir müssen danach zahlen.

Studenten, die das System nicht nutzen, kritisieren den Beitrag als Zwangsumlage: Wäre es nicht sinnvoller, die Gebühr nicht mit dem Semesterbeitrag zu verquicken, sondern einen generellen Studententarif einzuführen?

Biemann: Wenn man von einer Zwangsumlage spricht, müsste man das Semesterticket ganz abschaffen. Konrad ist eine Erweiterung des ÖPNV, den die allermeisten Studenten nutzen, um per Tram zu ihren Seminaren zu kommen. Ich halte die Semesterpauschale für fair und für eine Form der Solidarität.

Drei bis fünf Euro im Monat für ein nutzerbasiertes System halten Sie hingegen für zu viel?

Biemann: Ja, das Semesterticket würde dann 60 Euro pro Jahr mehr kosten. Die Finanzierung muss eine Mischung aus Pauschalbeiträgen und nutzerbasierten Gebühren sein. Den Beitrag für Konrad zugunsten eines generellen Studententarifs abzuschaffen, wäre kontraproduktiv: Die Grundmasse der Nutzer würde abnehmen. Zudem tragen wir zu einer positiven Wahrnehmung des Systems bei. Die vermehrte Sichtbarkeit von Konrädern kann einen Mentalitätswandel herbeiführen.

Was ist Ziel Ihrer Petition?

Biemann: Meine Hoffnung ist, dass sich das Mobilitätsverhalten ändert. Kassel ist zu autobasiert, Trams sind überlastet. Ziel muss sein, dass sich so ein niedrigschwelliges und klimafreundliches System wie Konrad durchsetzt.

Offenbar nicht mit öffentlichem Geld: Der Stadtkämmerer hat am Montag mitgeteilt, dass im Haushalt 2013 kein Geld für Konrad bereitstehen wird.

Biemann: Als ich das in der Zeitung gelesen habe, habe ich mich so aufgeregt, dass ich die Petition ins Leben gerufen habe. Politiker haben die Verantwortung, wenn sie etwas Neues einführen, sich auch über eine Weiterfinanzierung Gedanken zu machen und ein nachhaltiges Finanzierungsmodell zu entwickeln. Das muss sich sicher auch über einen Studentenbeitrag mittragen. Ein solches Projekt kann sich nun mal nicht in nur einem Jahr etablieren - zumal der documenta-Sommer ein Ausnahmephänomen ist. Das eingeführte Projekt jetzt wieder abzuschaffen, wäre eine reine Fehlinvestition.

Hier geht es zu Petition

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.