Hochschule rechnet auf Dauer mit 25.000 Studenten

Interview mit Uni-Präsident Postlep: Lebenslang lernen an der Uni

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Rolf-Dieter Postlep

Kassel. Die Universität Kassel rechnet für das kommende Wintersemester mit 24.000 Studenten. Über die aktuelle Situation und weitere Entwicklung der Uni sprachen wir mit Präsident Prof. Rolf-Dieter Postlep.

Wie ist die Studiensituation derzeit bei fast 23.000 Studenten? Das Hörsaalzentrum ist ja immer noch nicht fertig.

Prof. Rolf-Dieter Postlep: Das ist in der Tat unser zentraler Engpass. Ich hätte das Hörsaalzentrum gern schon zwei Jahre früher fertig gehabt – für die doppelten Abiturjahrgänge. Nun wird es erst zum Sommersemester 2015 in Betrieb gehen. Der Mangel größerer Hörsäle bedeutet auch im kommenden Wintersemester eine Einschränkung bei der Aufnahme zusätzlicher Studierender.

Wie viele Studenten kann die Uni noch vertragen?

Postlep: Ich gehe davon aus, dass wir zum kommenden Wintersemester 24.000 Studierende haben werden. Dann wird es wohl in fast allen Fächern mit hoher Nachfrage einen NC geben. Ohne Zulassungsbegrenzung könnten wir den Zustrom nicht bremsen. Wir müssen aber andererseits auch an unsere Grenzen gehen, um der jungen Generation, die ja nichts für die Engpässe kann, eine qualitativ hochwertige Hochschulausbildung zu ermöglichen. Grundsätzlich sind wir natürlich froh, dass die Nachfrage so groß ist: Das spricht für die Attraktivität des Kasseler Studienangebots.

Wie schätzen Sie

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die weitere Entwicklung der Uni ein?

Postlep: Fünf bis acht Jahre werden die jungen Leute noch in Massen an die Unis strömen, dann geht es demografisch gesehen zurück. Aber: Die Halbwertszeit des Wissens sinkt dramatisch. Daher werden viele Absolventen aus dem Berufsleben heraus an die Uni zurückkehren und noch ein Masterstudium machen.

Die Uni wird also eine Institution für lebenslanges Lernen?

Postlep: Genau. In zehn Jahren haben wir hier vielleicht 50 Prozent Schulabgänger und 50 Prozent Studierende aus dem Berufsleben sitzen, die von ihrem Arbeitgeber mitunter auch in Vollzeit abgestellt werden, um sich weiterzubilden. Wir werden uns daher langfristig bei 24.000 bis 25.000 Studierenden einpendeln. Das ist auch die Größe, die wir für den regionalen Arbeitsmarkt bedienen müssen.

Sind nach dem Ausbau des Campus-Nord die Kapazitäten für solche Zahlen gegeben?

Zur Person: 
Prof. Rolf-Dieter Postlep

Rolf-Dieter Postlep, der am Montag seinen 68. Geburtstag feierte, ist seit dem Jahr 2000 Präsident der Universität Kassel. Der gebürtige Wolfsburger machte zunächst nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Frankfurt. Dann studierte er Volkswirtschaftslehre (VWL) im Marburg, wo er auch seine Promotion und Habilitation ablegte. 1996 erhielt er in Kassel eine Professur für VWL. Postlep ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder. (rud)

Postlep: Der bauliche Planung nach ist die Uni für maximal 20.000 Studenten ausgelegt. Daran ändert auch das neue Hörsaalzentrum nichts, wenngleich es die Situation merklich entspannen wird. Wir werden daher eine Diskussion führen müssen über die richtige Größe der Uni als einem Motor der Region. Ich halte einen weiteren Ausbau innerhalb der nächsten zehn, 15 Jahre für nötig. Dafür wären, grob geschätzt, nochmal 200 Millionen Euro nötig.

Wie sieht es mit dem Umzug der Naturwissenschaften an den Campus am Hopla aus?

Postlep: Mein Ziel ist, den ersten Bauabschnitt - also den Umzug der Physik und Nanostrukturwissenschaften - planerisch und budgetär noch in meiner Verantwortung sicherzustellen. 50 Millionen Euro dafür haben wir zurückgestellt, 10 bis 20 Mio. können wir noch über Einsparungen dazugewinnen. Zusätzlich brauchen wir 20 bis 30 Mio. vom Land. Darüber bin ich derzeit in Verhandlungen. Ich hoffe, dass wir die Zusage für die Haushalte 2015/16 bekommen, sodass es 2016 losgehen könnte.

Wenn der Anfang gemacht ist, müssen die anderen Fachbereiche ja nachziehen.

Postlep: So sieht es aus. Wir hoffen, die restlichen Mittel aus dem neu aufgelegten Bauprogramm Heureka des Landes zu bekommen. Daraus müssen wir nicht nur das Geld für den weiteren Umzug derNaturwissenschaften bekommen, sondern auch für die dringend notwendige Sanierung der Kunsthochschule. Zusammen mit anderen Restbaubedarfen sind nochmal rund 250 Millionen Euro nötig.

Warum ist die Zusammenlegung der Naturwissenschaften so wichtig?

Informationen zur Uni Kassel finden Sie im HNA-Regiowiki.

Postlep: Zum einen ist das Gebäude des AVZ in Oberzwehren in die Jahre gekommen und auch energetisch völlig überholt. Zwei Standorte zu bedienen, etwa auch mit je einer Mensa, bedeutet zudem höhere Kosten. Vor allem aber wird es synergetische Effekte auf wissenschaftlicher Ebene geben. Unsere Naturwissenschaften sind stark auf Technik ausgerichtet, da wird die Zusammenführung auch in der Forschung einen Schub bringen.

Werden Sie den Umzug noch als Präsident begleiten? 

Postlep: Den Umzug selbst sicher nicht. Ich werde im Herbst 2015 als Präsident zurücktreten. Dann sind alle Verhandlungen über den neuen Hochschulpakt und Heureka II gelaufen und somit die Leitplanken bis 2020 gesetzt. Das ist ein guter Zeitpunkt für mich nach 15 Jahren als Präsident zu gehen.

Das Interview führte Katja Rudolph

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