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An 57 Objekten: 200 Millionen Euro Investitionsstau in Kasseler Schulen

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Von: Bastian Ludwig

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Ist marode und soll abgerissen werden: Dieses Gebäude der Ernst-Leinius-Schule in Harleshausen soll erneuert werden

Kassel. Undichte Dächer, kaputte Fenster, schlecht isolierte Klassenzimmer: Der Zustand mancher Kasseler Schule ist beklagenswert. Bei 57 Schulen gibt es einen Investitionsstau.

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) beziffert den Investitionsstau an den 57 Schulen auf etwa 200 Mio. Euro. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Schulsanierungen.

Müsste nicht dringend mehr Geld in die Schulen fließen?

Mehr Investitionen in die Schulen seien der Stadt ein wichtiges Anliegen, so Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Auch der Oberbürgermeister trete dafür ein. Dies sei aber eine Aufgabe, die Kommunen nur gemeinsam mit Land und Bund schultern könnten.

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Negativbeispiel: Einblicke in die Ernst-Leinius-Schule.

Was wurde denn zuletzt in die Schulen investiert?

Im Zuge des Kommunalinvestitionsprogramms II (KIP) werden in den nächsten Jahren 31,2 Mio. Euro in die Schulen investiert. Davon soll auch die Ernst-Leinius-Schule profitieren (siehe Fotos), die einen Neubau erhält. Aus dem KIP I sind bereits 17,5 Mio. Euro in Schulen geflossen. Darüber hinaus wurden in den vergangenen zehn Jahren 113 Mio. Euro in Kasseler Schulen investiert, etwa 60 Prozent davon aus städtischen Eigenmitteln. Unabhängig von den größeren Projekten fließen jährlich 6,5 Mio. Euro in den Bauunterhalt und die Wartung der städtischen Gebäude, auch hier wird der größte Teil für Schulen aufgewendet.

Einige Schulen, beispielsweise die Heinrich-Schütz-Schule, wurden zuletzt für zweistellige Millionenbeträge saniert. Andere – etwa die Hegelsbergschule – wurden mit einem Bruchteil der Summe bedacht. Nach welchen Kriterien erfolgt die Verteilung?

“Das Geld nach dem Gießkannenprinzip auf die Schulen zu verteilen, wäre Verschwendung“, sagt Nolda. Jedes Mal ein Gerüst aufzubauen, um Fenster zu tauschen, ein Dach zu sanieren oder die Fassade zu dämmen, sei unwirtschaftlich. Besser sei es, jeweils ein Schulgebäude von Grund auf instand zu setzen.

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Positivbeispiel: So sieht es jetzt in der Max-Eyt-Schule aus.

Bei der Hegelsbergschule und der Elisabeth-Knipping-Schule stünden mittelfristig Generalsanierungen an, die alle 40 bis 50 Jahre nötig seien. Wegen ihrer Betonskelettbauweise mit vorgestellten Fassaden sei es nicht sinnvoll, einzelne Fenster zu tauschen.

Bei solchen Gebäuden der 60er- und 70er-Jahre müssten die Fassaden komplett erneuert werden, was eine Vielzahl weiterer Arbeiten nach sich ziehe und nicht im laufenden Schulbetrieb funktioniere, so Nolda.

Welche Schulen haben eine Generalsanierung nötig?

Dazu teilt der Stadtbaurat mit: „In die Jahre gekommen sind vor allem die Schulen aus den 60er- und 70er-Jahren, neben der Elisabeth-Knipping-Schule vor allem ein Teil der aus der Zeit stammenden Gesamtschulen: die Hegelsbergschule, die Johann-Amos-Comenius-Schule, die Georg-August-Zinn-Schule und die Offene Schule Waldau.“

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Foto aus der Max-Eyth-Schule. Die Berufsschule wurde 2010 saniert.

In den 70er-Jahren wurden große Schulkomplexe teilweise mit innen liegenden Fachräumen ohne Tageslicht geplant. Deshalb will die Stadt neben reinen Sanierungsmaßnamen auch die Aufenthaltsqualität steigern.

Was passiert mit der Reuterschule, wo zuletzt ein Gebäude wegen statischer Problemen geräumt wurde?

Die Ämter seien in „intensiver Abstimmung“ mit dem Ziel, die notwendige Sanierung nicht nur als Chance für die Reuterschule, sondern auch für die benachbarten Berufsschulen zu sehen, so Nolda. Geprüft werde ein Fachraumzentrum, nicht nur für die Reuterschule, sondern für eine gemeinsame Nutzung mit der Martin-Luther-King-Schule und der Arnold-Bode-Schule. Innerhalb der nächsten zwei Monate werde ein konkreter Projektfahrplan erarbeitet. Im Haushaltsentwurf sind bereits für 2019 erste Mittel für das Projekt vorgesehen.

Mancher Kritiker glaubt, bestimmte Schulformen – etwa die Gymnasien – würden bei Sanierungen bevorzugt?

Dem widerspricht Schuldezernentin Anne Janz (Grüne): „Wir bevorzugen weder bestimmte Schulen noch bestimmte Stadtteile.“ Eine Sanierungsentscheidung für eine Schule könne leider immer auch als eine gegen 56 andere gesehen werden.

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