Menschen wollen vorschnell helfen

Irrtum: Streunende Katzen landen oft im Tierheim

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Mensch und Katze: Lili Volperts Kater Matou liebt es, in den Gärten um sein Zuhause am Aschrott-Park herumzustreifen. Er ist ein Freigänger, der durch eine Katzenklappe ins Haus gelangt - ganz wie es ihm beliebt.

Kassel. Dass bei Lili Volpert in letzter Zeit öfter als sonst das Telefon klingelt, das hat die 18-Jährige ihrem Kater Matou zu verdanken. „Ihre Katze wurde bei uns abgegeben“, hörte die Schülerin aus Kassel in den vergangenen Wochen öfter.

Am anderen Ende der Leitung: das Tierheim oder Tierärzte. Dabei war der einjährige Kater nie weggelaufen.

Im Gegenteil: Matou, ein grauer Kater, fühlt sich in seinem Zuhause wohl: Der Fressnapf ist stets gefüllt und Streicheleinheiten bekommt er nicht zu knapp.

Vor allem aber hat das kastrierte Tier - freiheitsliebend wie die meisten Katzen - das Glück, Freigänger sein zu dürfen. Schöne Gärten umgeben sein Zuhause, der Aschrottpark liegt ganz in der Nähe. Matou darf kommen, gehen und Mäuse fangen, wie es ihm beliebt. Lili Volpert hat in die Kellertür ihres Elternhauses eine mittels Chip gesteuerte Katzenklappe einbauen lassen. Die öffnet sich nur, wenn Hauskater Matou herein will. „Das hat er innerhalb kurzer Zeit gelernt und er genießt seine Freiheit in vollen Zügen“, sagt Lili. „Nachts kommt er immer wieder ins Haus zurück.“

„Es gab einmal eine Maine-Coon-Katze, die hatten wir fast jeden Tag hier, weil sie ständig jemand eingefangen und bei uns abgegeben hat.“

Karsten Plücker

Doch eine frei herumlaufende Katze scheint viele Menschen zu irritieren. Einmal wird Matou im nicht weit entfernten Garten links und kurze Zeit danach im Garten rechts eingefangen. Und so weiter. Er landet jedes Mal im Tierheim oder beim Tierarzt. „Da mein Kater einen Erkennungschip implantiert hat und bei der Tierschutzorganisation Tasso registriert ist, konnte ich jedes Mal sofort ermittelt und kontaktiert werden“, sagt Lili Volpert. Damit Matou, ein schöner Siam-Mix, nicht weiter für ein herrenloses Tier gehalten wird, hat Lili Volpert ihm jetzt ein Halsband umgezogen mit ihrer Telefonnummer darauf. Mit dem Ergebnis, dass sie ständig angerufen wird: Ihre Katze sitzt auf unserer Terrasse. „Ich bin jetzt ratlos, wie ich ohne Stress für Mensch und Tier meinem Kater seine Freiheit lassen kann.“

„Dieses Phänomen kennen wir zur Genüge“, sagt Karsten Plücker, Leiter des Kasseler Tierheims Wau-Mau-Insel. Sieben Katzen würden durchschnittlich im Monat als herrenlos im Tierheim abgegeben, nur weil sie frei herumliefen. „Die Leute sind das nicht mehr gewöhnt.“ Vor allem bei Rassekatzen könnten viele nicht verstehen, dass so schöne Tiere nicht eingesperrt sind. „Es gab einmal eine Maine-Coon-Katze, die hatten wir fast jeden Tag hier, weil sie ständig eingefangen und bei uns abgegeben wurde.“

Das Problem sei falsch verstandene Tierliebe. Die Freigänger würden oft mit Futter angelockt, weil sie vermeintlich hungrig sind. Dabei sei es fast ein Indiz dafür, dass die Katze ein Zuhause hat, wenn sie sich anfassen und streicheln lasse. Plückers Rat: Finger weg von fremden Katzen, es sei denn, das Tier ist hilfebedürftig oder verletzt. „Die finden wieder nach Hause“, sagt Plücker. Ist das Tier erst im Tierheim und hat keinen Chip, kommt es unter Umständen nie mehr nach Hause zurück.

Von Christina Hein

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