Islamist aus Kassel rief zum Dschihad auf

Islamist aus Kassel rief zum Dschihad auf: Nachbarn erinnern sich

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Medienwirksam in Szene gesetzt: Hajan M. lebte sieben Jahre in Kassel. Per Internetvideo ruft er in deutscher Sprache andere Radikale zum Heiligen Krieg auf.

Kassel. Der syrische Islamist Hajan M., der in einem Internetvideo auf Deutsch zum Heiligen Krieg in Syrien aufruft, hat von 1999 bis 2006 in Kassel gelebt. Das haben HNA-Recherchen ergeben.

Am Montag hatten der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und „Spiegel Online“ berichtet, dass Hajan M. sich für einige Zeit in Kassel aufgehalten haben soll. Die Staatsanwaltschaft Kassel bestätigte dies am Dienstag.

Nach HNA-Recherchen wohnte Hajan M. mit seinen zwei Kindern und seiner deutschen Frau an der Josef-Fischer-Straße im Kasseler Stadtteil Nordholland. Zwei Hausbewohner bestätigten das unabhängig voneinander: Er habe den Mann selten gesehen, weil dieser fast nie zu Hause gewesen sei. „Er war unauffällig“, sagt ein Mieter. Auch ein anderer Anwohner will den Syrer dort gesehen haben. „Ja, den kenne ich“, sagt er mit Blick auf die Fotos. „Der hat über mir gewohnt.“ Genauer gekannt habe er ihn aber nicht. „Hier im Haus grüßt man sich, aber mehr nicht.“ Der Fall Hajan M. hatte am Montag für Schlagzeilen gesorgt, nachdem der NDR Teile eines Beitrags über den Islamisten vorab veröffentlicht hatte (der Bericht wurde gestern Abend bei Panorama 3 ausgestrahlt).

Dabei bezieht sich der Sender unter anderem auf ein knapp 30-minütiges Propagandavideo von Hajan M., das im Internet verfügbar ist: Zu sehen ist ein vollbärtiger Mann, der wegen eines amputierten Beins im Rollstuhl sitzt. Seine Kameraden schieben ihn in Homs, einem wichtigen syrischen Bürgerkriegsgebiet, im Rollstuhl in eine Kampfszene, in der er mit einem russischen Maschinengewehr auf Soldaten der Assad-Regierung feuert.

Deutsche Versicherungskarte

Hier soll er gewohnt haben: Der syrische Widerstandskämpfer Hajan M.

„Jeder Bruder, der mich hört, soll Dschihad machen“, sagt der 38-Jährige in einem Abschnitt des Videos. Wie zum Beweis, dass er in Deutschland gelebt hat, zeigt Hajan M. einen deutschen Führerschein und eine Versicherungskarte der AOK in die Kamera.

Drei Zimmer, Küche, Bad: Auf 72 Quadratmetern lebte er mit seiner Familie. Die zwei Kinder seien schon älter gewesen – Jugendliche eben, sagt einer der Anwohner. 280 Euro kostet die Kaltmiete in dem siebenstöckigen Haus, das 1972 gebaut wurde. 32 Familien leben hier. „Hier wohnen überwiegend Menschen mit wenig Geld“, sagt einer der Anwohner. Was der Syrer oder seine deutsche Frau beruflich machten, ist noch nicht bekannt.

Gewalttaten nicht bestätigt

Nach Berichten der „Zeit“ hat die Polizei gegen den Syrer wegen Gewalttaten während seiner Kasseler Zeit ermittelt. Dazu könne die Staatsanwaltschaft keine Stellung nehmen, sagte Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) in Wiesbaden gab mit Verweis auf datenschutzrechtliche Gründe ebenfalls keine Auskunft.

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