Islamisten verteilen Gratis-Koran: Tumult am Stand in Kasseler Innenstadt

+
An diesem Stand wurde der Koran in der Kasseler Innenstadt verteilt.

Kassel. Für große Aufregung sorgt das Verteilen des Korans in deutschen Innenstädten. Auch in Kassel gab zwei Info-Stände, an denen Salafisten die Heilige Schrift des Islams verteilten.

Lesen Sie auch

Gratis-Korane: Haben Salafisten nur geblufft?

Am Samstag bildeten sich an einem Stand von Kasseler Muslimen in der Innenstadt zeitweise Menschentrauben. Es kam zu lautstarken Debatten zwischen Besuchern des Stands und den Mitgliedern der Al-Huda-Moschee (Islamisches Zentrum e.V.), die die Bücher verteilten.

Informationen dazu, woher die Bücher stammen und wer die Aktion finanziert, gaben die Standbetreiber nicht. Ziel sei, über den Islam zu informieren, nicht zu missionieren, betonte einer der Männer, der seinen Namen nicht nannte. Sie seien keine Salafisten, betonte die Gruppe. Dennoch waren die fünf Vertreter der Al-Huda-Moschee der Presse gegenüber ablehnend und versuchten das Fotografieren der öffentlichen Aktion erst zu verhindern.

Wer sind die Salafisten?

Antworten auf die häufigsten Fragen gibt HNA-Politikchef Tibor Pézsa.

Wie berichtet, wird der Druck von angeblich 25 Millionen kostenlosen Koran-Übersetzungen von dem als radikal geltenden Kölner Salafisten Ibrahim Abou-Nagie organisiert. Aus Sicht des hessischen Verfassungsschutzes ist der Salafismus als religiös motivierter Extremismus nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.

Salafisten verteilten Koran-Exemplare in Kassel

Salafisten verteilten Koran in Kassel

Bei den angebotenen Koran-Exemplaren handelt es sich hingegen um eine Übersetzung aus dem Arabischen, die aus Sicht eines Islamwissenschaftlers gemäßigt ist. Sie werde von vielen Muslimen gebraucht. Der Text selbst habe keine missionarische oder extremistische Färbung.

Das Interesse an den kostenlosen Büchern in Kassel war groß. 40 Minuten, nachdem der Stand an der Wilhelmstraße neben dem Rathaus aufgebaut war, waren keine Korane mehr da. Auch der Nachschub war bis 13 Uhr vergriffen, die Muslime lösten ihren Stand, der bis zum Abend angemeldet war, auf. Genaue Angaben zur Zahl der verteilten Exemplare machten sie nicht. Vermutlich handelte es sich um 150 bis 200 Stück.

An einem zweiten muslimischen Info-Stand von der Mahmud-Moschee wurden lediglich Broschüren, aber keine kostenlosen Korane angeboten.

Das Verteilen des Korans selbst bedürfe wie das Aushändigen von nicht gewerblichen Flugblättern gar keiner Genehmigung. Nur für einen Informations-Stand müsse die Stadt eine Sondernutzungserlaubnis erteilen. Seit Anfang des Jahres hat es laut Schweinsberg fünf derartige Stände in Kassel gegeben. Das öffentliche Interesse daran sei bisher aber äußerst gering gewesen, sagte Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. Es habe keine besonderen Vorkommnisse gegeben. (mcj/rud)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.