95-Jähriger durfte HNA-Interview mit Merkel hören

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Ausnahme für einen treuen Leser: Volontärin Nina Thöne (links) besuchte Eduard Ress, um ihm die Aufnahme des HNA-Interviews mit Bundeskanzlerin Angela Merkel vorzuspielen.

Kassel. Eduard Ress sitzt in seiner Wohnung im zwölften Stock im grauen Sessel und hat die Augen geschlossen. Mit der rechten Hand stützt er seinen Kopf.

Es sieht es so aus, als sei er eingeschlafen. Im Gegenteil. Ress ist hochkonzentriert. Er lauscht einer ganz bestimmten Stimme – nämlich der von Angela Merkel.

Über Kopfhörer durfte sich der Kasseler die 30-minütige Aufnahme des HNA-Interviews mit der Bundeskanzlerin anhören. Für den treuen Leser machte die HNA eine Ausnahme.

Der 95-Jährige kann krankheitsbedingt nicht mehr lesen. Auf einem Auge hat er eine Thrombose, auf dem anderen wurde er wegen eines grauen Stars operiert.

Schon immer hat Ress Zeitung gelesen und sich für Lokales und Bundespolitik interessiert. Heute guckt er sich nur noch die Überschriften an. Wenn ihn ein Artikel wirklich interessiert, dann versucht er, ihn mithilfe der Lupe zu lesen.

Das von Chefredakteur Horst Seidenfaden und Nachrichtenchef Tibor Pésza geführte Interview mit Merkel wollte er sich auf keinen Fall entgehen lassen. „Dass das eine Kasseler Zeitung machen durfte, war für mich ein Ereignis“, sagt Ress.

Zum Nachhören: Audienz bei Merkel - inklusive Kaffee

Interessiert ist der gelernte Industriekaufmann vor allem an den Themen Umweltschutz und Energiepolitik. Zwölf Jahre lang war er Vorsitzender des Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Fuldatal. Noch heute ist er Mitglied. Aber auch bei anderen Themen wie Betreuungsgeld oder Finanzkrise ist der gut informierte Rentner auf dem neuesten Stand und hat auch eine Meinung.

Diskutieren über Politik

Mit Elisabeth Lahme (87) aus dem neunten Stock trifft er sich jeden Nachmittag. Bei Kaffee und Kuchen wird diskutiert – auch über Politik. „Wir haben oft ganz unterschiedliche Ansichten, und das ist die Bereicherung“, sagt Lahme. Die beiden kennen sich schon seit über 20 Jahren.

Zusammen mit seiner langjährigen Freundin besucht Ress einen Gesprächskreis im Haus. Unter dem Motto „Was uns interessiert“ wird mit anderen Bewohnern über aktuelle Themen und Anliegen geredet.

Nach etwa 20 Minuten nimmt Ress die Kopfhörer ab. „Das ist sehr anstrengend“, sagt er. Vor allem weil in kurzer Zeit von einem zum anderen Thema gewechselt werde. Ress trinkt ein Glas Wasser, dann setzt er sich die Kopfhörer wieder auf.

Als die Aufnahme zu Ende ist, wirkt er zufrieden „Die haben sie manchmal schon schwer in die Klemme gekriegt“, resümiert er. Ress findet es toll, dass er das Interview hören durfte: „Das ist ein Interview, das nicht alle Tage gemacht werden kann.“

Von Nina Thöne

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