Helmut Hocke schraubt mit Leidenschaft an seinem Fiat 500, der den Namen „Topolino“ trägt

Ein Italiener aus der DDR

Der Fiat 500 oder auch Topolino: Der Oldtimer von Schrauber Helmut Hocke aus Bad Emstal ist Jahrgang 1941, ebenso wie sein Eigentümer. Fotos: Saric

Bad Emstal/Kassel. „Topolino ist italienisch und heißt Mäuschen“, erzählt Helmut Hocke aus dem Bad Emstaler Ortsteil Sand. „Man kennt den Fiat 500 überall unter diesem Namen.“

Hocke hatte schon immer großes Interesse an alten Autos. Allerdings fehlte ihm lange die Zeit, sich intensiver mit Oldtimern zu beschäftigen. Durch seine Tätigkeit als Maschinenbau-Ingenieur bei VW war er viel im Ausland unterwegs. Helmut Hockes Frau Ingrid hat sich deshalb zum 60. Geburtstag ihres Mannes im Jahr 2001 eine ganz besondere Überraschung ausgedacht: Mithilfe von Freunden kaufte sie für 6000 DM (3067,75 Euro) einen alten Fiat 500. „Die wichtigste Voraussetzung für den Kauf war das Baujahr 1941, in dem ich geboren wurde“, erklärt Hocke.

Einst leuchtend orange

Der Wagen sei schon seit 1958 von seinem Vorbesitzer aus Dresden durch die DDR gefahren worden, berichtet der stolze Topolino-Besitzer. Und er sei nicht lackiert, sondern leuchtend orange gestrichen und in einem bemitleidenswerten Zustand gewesen.

Der Wagen war nicht nur ein Geschenk. Die Beschäftigung mit dem Topolino sollte auch der Langeweile im sich nähernden Ruhestand zwei Jahre später vorbeugen. „Meine Frau freut sich über die Fahrten mit dem Fiat. Es geht ihr mit der Autoliebe aber doch zu weit, wenn ich zu viel Zeit und vor allem Geld in den Fiat investiere.“

Giovanni Agnelli, der berühmte italienische Fiat-Chef, habe 1933 den Auftrag erteilt, einen erschwinglichen Volkswagen zu bauen, berichtet der heute 68-jährige Hocke. Schon 1934 sei das erste Fahrzeug vom Band gegangen, das mit seiner hydraulischen Bremse und der Zwölf-Volt-Lichtanlage damals sehr fortschrittlich gewesen sei.

Hockes Topolino hat einen Hubraum von 569 Kubikzentimetern, ein Vier-Gang-Getriebe und 13 PS, was heute alles andere als modern ist. Aber er ist ein Liebhaberstück. Man muss ein Auto schon mögen, wenn man mit höchstens 70 Kilometern pro Stunde über die Straßen fahren kann. Topolino-Freunde, „Kenner und Könner“, würden für Hockes Fiat 500 heute 12 000 bis 14 000 Euro bezahlen.

Der Bad Emstaler Schrauber musste sich die Kenntnisse der Autorestauration selbst aneignen. „Der Vorteil des Fiats ist, dass man das Innenleben noch versteht.“ Trotzdem hat Hocke seinen Wagen zur ersten großen Aufbereitung und Lackierung in fremde Hände gegeben.

Seither arbeitet er an allem selbst und berät sich dabei mit Freunden aus dem Topolino-Club. Diese Freunde seien sehr wichtig, um gegenseitig Erfahrungen und Kenntnisse auszutauschen, erzählt Hocke.

Und man lernt nie aus, berichtet der Schrauber: „So ein altes Auto ist immer für Überraschungen gut. Schon oft habe ich unterwegs am Straßenrand unter dem Auto im Dreck gelegen.“

Von Nora Saric

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