Braut- und Festmoden Sigrid feiert 50-jähriges Firmenbestehen – bei den Anfängen in Kaufungen wurden Kleider selbst gefertigt

Vor dem Ja-Wort steht die Anprobe

Eher schlicht als pompös ist der aktuelleTrend beim Brautkleid: Kundin Kerstin Steinmetz lässt sich bei Braut- und Festmoden Sigrid von Ursula und Otto Martelleur beraten. Foto:  Koch

Kassel/Kaufungen. Man sagt, dass die Eskimos Dutzende verschiedene Wörter für Schnee hätten. Noch mehr Varianten der Farbe Weiß dürften Ursula und Otto Martelleur im Lauf ihres Arbeitslebens zu unterscheiden gelernt haben. Mit ihrem Traditionsgeschäft „Braut- und Festmoden Sigrid“ an der Brüderstraße begehen sie das 50-jährige Firmenbestehen.

Jahr für Jahr lassen sich 400 bis 500 Bräute aus der Region bei „Sigrid“ für ihren großen Tag ausstatten und beraten – laut Otto Martelleur ist das stets „eine sehr sensible Geschichte“. Denn wenn es um ein Brautkleid geht, könne keine Frau ihre Modeerfahrungen aus dem Alltag zu Rate ziehen. Und absolut undenkbar wäre es, dass ein bestelltes Kleid nicht rechtzeitig fertig oder geliefert würde. „Das wäre eine Katastrophe“, weiß Martelleur, der schon eigens zum Frankfurter Flughafen gefahren ist, um ein zunächst fehlgeleitetes Kleid dort abzuholen.

Asien beherrscht den Markt

Luftfracht ist üblich, denn seit etwa 25 Jahren werden Brautleider mehr und mehr in Asien gefertigt. So eine Ausstattung, für die eine Braut samt Accessoires im Durchschnitt 1500 Euro ausgibt, könne kaum noch kostendeckend in Europa hergestellt werden, sagt der studierte Bekleidungstechniker Martelleur, der in Kaufungen lebt und dort auch kommunalpolitisch aktiv ist (als FDP-Mann in der CDU-Fraktion).

Als seine Eltern dort 1963 das Geschäft auf einem früheren Bauernhof gründeten, nähten 25 Frauen die festlichen Kleider noch selbst. Die Stücke wurden auf Messen verkauft, aufgrund der Nachfrage von Heiratswilligen aus der Umgebung kam ein Verkaufsraum hinzu. Der Mädchenname von Martelleurs Mutter, Gerda Linde, gab die Inspiration für den anfänglichen Firmennamen „Gerlinde Modelle“.

Von klein auf mit der Materie aufgewachsen, stieg Otto Martelleur nach seiner Ausbildung ins Geschäft ein und machte 1973 auf sehr begrenzter Fläche den Laden an der Kasseler Brüderstraße auf. Um den Standort vom Stammbetrieb „Gerlinde“ abzugrenzen, wurde Matelleurs Schwester Sigrid Namenspatin.

Sehr bald nahmen die Inhaber auch Brautkleider von anderen Herstellern ins Sortiment. Während zunehmende Konkurrenz dazu führte, dass Martelleurs die eigene Produktion im Jahr 1990 aufgaben, breitete sich der Verkaufsbetrieb in Kassel nach und nach in drei angrenzende Ladenlokale an der Brüderstraße aus. Dort können die Kundinnen aus rund 500 Modellen wählen oder nach Katalogen bestellen. Die meisten kommen drei-, viermal – mal mit der Mutter, mal mit Freundinnen –, bis sie sich entschieden haben. Dann wird abgesteckt, angepasst und anprobiert. „Zehn bis zwölf Stunden haben wir mit einer Braut zu tun“, sagt Ursula Martelleur.

Neun von zehn Kleidern werden in klassischen Weiß- oder Cremetönen geordert. Im Moment gehe der Trend zum eher schlichten Kleid, sagt Otto Martelleur, der schon etliche Hochzeitsmoden hat kommen und gehen sehen: „Nur wenige wollen vor dem Traualtar wie Kaiserin Sissi aussehen.“

Von Axel Schwarz

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.