Eklat bei Jahreshauptversammlung

Hessenjäger: Streit um Schwarzgeld und Steuerhinterziehung

Einnahmen aus dem Schießstand sorgen für heftigen Streit bei den Hessenjägern: Unser Archivfoto zeigt den Vorsitzenden Herbert Bachmann in der Anlage am Silbersee. Archivfoto:  Tina Hartung/nh

Kassel. Schwarzgeldkassen, der Verdacht der Steuerhinterziehung und ein Vorstand, der von der Kassenprüferin nicht entlastet werden konnte: Bei der Jahreshauptversammlung des Kasseler Vereins Hessenjäger ging es jetzt hoch her.

Über 160 der insgesamt 463 Mitglieder bekamen hautnah die Auseinandersetzung zwischen dem Vorstand, dem Vorsitzenden Herbert Bachmann und seinem Stellvertreter Wolfgang Deutscher auf der einen Seite sowie dem ehemaligen Schatzmeister Jonas Bender auf der anderen Seite mit. Seit Monaten hatten sich beide Seiten beschuldigt, Geld aus dem Verein unterschlagen zu haben. Diese Anschuldigungen waren jeweils in Rundbriefen an die Mitglieder verbreitet worden.

Der frühere Schatzmeister Bender präsentierte bei der Versammlung Spendenquittungen über 2600 Euro, die er während seiner Amtszeit an die Vorsitzenden und weitere Vorstandsmitglieder ausgestellt habe. Es handelte sich offenbar um Geld aus dem Munitionsverkauf am Schießstand, das der Verein beim Finanzamt nicht angegeben hatte. Um dieses Geld zu „legalisieren“, hätten es die Vorsitzenden als Einzelspenden getarnt. Er habe damals nichts davon gewusst, so Bender.

Er und weitere Vereinsmitglieder berichten gegenüber der HNA, dass Bachmann und Deutscher dies eingeräumt hätten. Bachmann habe auch zugegeben, dass er die Spendenquittung anschließend im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung beim Finanzamt eingereicht habe. Deutscher, der erst kürzlich vom Regierungspräsidium Kassel zum Vorsitzenden des Jägerprüfungsausschusses bestellt worden ist, habe gesagt, dass er als Rentner keine Steuererklärung abgebe.

Dr. Klaus Bebendorf, Sprecher der Hessenjäger, weist gegenüber der HNA die Vorwürfe gegen die beiden Vorsitzenden zurück. „Ich würde das nicht als schwarze Kasse bezeichnen.“ Der Schießstand sei bis zum Jahr 2011 von einem Mann geleitet worden, der mittlerweile tot ist. Und dieser Mann habe die Munitionskasse mit seinem privaten Geld eröffnet. Daher seien auch alle Überschüsse, die er später erwirtschaftet habe, als Privat- und nicht als Vereinseigentum anzusehen. Der Schießstandleiter habe die 2600 Euro dem Vorstand gegeben, damit sie dem Verein zugutekommen. Der ehemalige Schatzmeister Bender habe dann vorgeschlagen, die Summe als Spende zu deklarieren. Falls Bender die Quittungen rechtswidrig ausgestellt habe, müsse er sich dafür nun auch verantworten, sagt Bebendorf.

Zudem weist Bebendorf die Anschuldigungen des früheren Schatzmeisters, der Vorsitzende hätte 20 000 Euro verschwinden lassen, zurück. „Wir halten das für einen unerträglichen Kriminalisierungsversuch und eine Schmutzkampagne unerhörten Ausmaßes.“ Da Bender die Akten aus seiner Amtszeit nicht rausrücke, könnten die Vorwürfe auch nicht geprüft werden. Aufgrund der fehlenden Unterlagen habe die Kassenprüferin auch den Vorstand nicht entlasten können.

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