Kasseler Feuerwehrmann hilft für ein Jahr im arabischen Emirat bei der Ausbildung

Er jagt Rauchsäulen nach

Im Auslandseinsatz: Frank Markert von der Werksfeuerwehr des Mercedes-Werkes in Kassel ist für ein Jahr im arabischen Emirat Adschman. Fotos: privat

Kassel / Adschman. Wenn es in Adschman brennt, dann muss sich erst einmal jemand dafür interessieren. In dem kleinsten der sieben arabischen Emirate sei der Brandschutz bei den Menschen bislang kein großes Thema. „Wenn ein Lager brennt, muss sich erst jemand erbarmen, die Feuerwehr anzurufen. Viele fühlen sich nicht verantwortlich“, sagt Berufsfeuerwehrmann Frank Markert. Der 36-Jährige aus Bergshausen ist für ein Jahr in Adschman, um dort Brandschützer auszubilden.

Markert, der seit fünf Jahren bei der Werksfeuerwehr des Mercedes-Werkes in Kassel arbeitet, hatte in einer Anzeige in einem Feuerwehrmagazin von dem Jobangebot erfahren und sich spontan dazu entschlossen. Nun arbeitet er für die Emirates Fire & Rescue Company, die die öffentliche Feuerwehr ausbildet.

„Wenn der Tankwagen leer ist, fährt er wieder weg und holt neues Wasser. So lange können wir nicht löschen.

Frank Markert, Feuerwehrmann

Bei seiner Ankunft in Adschman, das mit 230 000 Menschen nicht viel mehr Einwohner als Kassel hat, musste er sich gehörig umstellen. Seit Februar lernen die einheimischen Feuerwehrleute nicht nur etwas von dem Nordhessen, sondern auch er hat einiges gelernt: Zum Beispiel, dass professioneller Brandschutz nicht selbstverständlich ist und dass es in der Wüste häufiger brennt, als man denkt.

So gebe es in dem Emirat kein Hydrantennetz, sodass Tankwagen bei Einsätzen mit ausrücken müssten. „Wenn der Tank leer ist, fährt er wieder weg und holt neues Wasser. So lange können wir nicht löschen.“ Überhaupt gebe es viele Herausforderungen: „Bei 48 Grad im Schatten in voller Montur auszurücken, das ist eine neue Erfahrung“, sagt Markert. Auch gebe es häufig Probleme, den Brandort zu finden. Weil viele Einheimische nicht schreiben und lesen könnten, falle es ihnen schwer, am Telefon zu erklären, wo der Brand genau ist. „Wir fahren also viel nach Sicht und folgen einfach der Rauchsäule.“

Taktisches Vorgehen lernen

Frank Markert ist ledig und hat keine Kinder. Andernfalls wäre ihm die Entscheidung auch schwergefallen, für ein Jahr seine Heimat hinter sich zu lassen. In seiner Wache in Adschman ist er aber nicht der einzige Deutsche. Mit vier weiteren Kollegen aus Deutschland gibt er vormittags Kurse – zum Beispiel zum Thema taktisches Vorgehen bei Bränden. Am Nachmittag rücken die Deutschen mit gemischten Teams aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Oman und Ägypten zu Einsätzen aus. Fahrzeuge und Material sind auf westlichem Standard, aber die Berufskollegen vor Ort müssen damit erst umgehen lernen.

Im Februar nächsten Jahres will Frank Markert zurückkommen. Am meisten vermisst er in der Wüste die grünen Wälder rings um Kassel. Und nach seinem dreiwöchigen Sommerurlaub in Kassel fiel ihm auf, was er derzeit nicht vermisst: das schlechte Wetter.

Von Bastian Ludwig

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