Haft für Hammerschläge: Mann wurde in Afrika abgezockt und rächte sich

Kassel. Eigentlich habe er mit seinem Freund einen Gebrauchtwarenhandel in Sierra Leone aufbauen wollen, dann sei ein Streit ums Geld „aus dem Ruder gelaufen“.

So begründete ein 47-Jähriger aus der Region Göttingen vorm Landgericht Kassel seine Hammerschläge gegen einen 44-jährigen Westafrikaner. Wegen gefährlicher Körperverletzung schickte das Landgericht Kassel den Angeklagten für ein Jahr in Haft.

Da der 47-Jährige wegen Drogenhandels erst im Februar vom Landgericht Göttingen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war, wurden die beiden Freiheitsstrafen zu dreieinhalb Jahren zusammengefasst.

Namen verschwiegen

Der angebliche Freund aus Afrika sowie dessen Bekannte waren im August 2014 bei der Auseinandersetzung in der Hegelsbergstraße erheblich verletzt worden. Die junge Frau, die sich zwischen die Streithähne stellte, erlitt Schnittverletzungen. Wer aber das Messer führte, blieb bei der Beweisaufnahme mit Zeugenanhörung vor Gericht ungeklärt. Denn der Angeklagte war in Begleitung eines anderen Mannes in die Wohnung des späteren Opfers eingedrungen. Die Identität seines Kumpanen hielt er vor Gericht geheim.

Über die gemeinsam geschmiedeten Pläne zur Existenzgründung in Sierra Leone sprach der Angeklagte ausführlich. 23.000 Euro Kredit wollte er als Startkapital einbringen, einen gebrauchten Mercedes Vito verschiffte er, vollgepackt mit gebrauchten Elektro- und Multimediageräten in das westafrikanische Land. Doch auf seinen Freund wartete er dort vergeblich. Stattdessen forderte dessen Bruder, bei dem er untergekommen war, von ihm immer neues Geld. Als der 47-Jährige nach zwei Monaten zurück nach Deutschland kam, war sein Kapital aufgebraucht und sein Job gekündigt.

Die Wut des Angeklagten über diese Abzocke erachtete die 1. Strafkammer am Landgericht als menschlich verständlich, und sie glaubten seiner Darstellung. Deshalb blieben die Richter mit einem Jahr Haft für die gefährliche Körperverletzung am unteren Rand des Strafmaßes. Der Angeklagte sei im Vorfeld der Tat von dem späteren Opfer „massiv hintergangen“ worden. Mutmaßlich sei er selbst Opfer eines „abgekarteten Spiels mit dem Bruder“ geworden.

Die Wut sei nachvollziehbar, sagte auch die Staatsanwältin und wich vom ursprünglichen Vorwurf der räuberischen Erpressung ab. Sie hatte 15 Monate Haft gefordert, der Verteidiger hielt ein Jahr für angemessen. (and)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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