Vor 15 Jahren gab es die bundesweit erste Babyklappe

12 Jahre Babyklappe in Kassel: Sechs Kinder seit 2003

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Einweihung vor zwölf Jahren: Der Generalvikar des Bistums Fulda, Prälat Peter-Martin Schmidt, segnete im Jahr 2003 die Babyklappe am Marienkrankenhaus.

Kassel / Fulda. Der Fund eines toten neugeborenen Kindes in einer Hamburger Recycling-Anlage gab den Ausschlag dafür, dass im April vor 15 Jahren in der Hansestadt die bundesweit erste Babyklappe eröffnet wurde.

Der Hamburger Verein Sternipark hatte im April 2000 die erste Einrichtung in Deutschland eröffnet, in der Mütter oder Väter ihr Kind unerkannt abgeben können. Mittlerweile gibt es bundesweit knapp 100 solcher Einrichtungen.

Vor zwölf Jahren, im März 2003, wurde die erste Babyklappe in Kassel eingeweiht. Sie ist eine Einrichtung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) des Bistums Fulda. Die Babyklappe befindet sich im Marienkrankenhaus in Rothenditmold. Sie ist von der Straße nicht einsehbar. Den Müttern soll damit die anonyme Abgabe ihres Kindes ermöglicht werden. Die Neugeborenen werden in ein Wärmebettchen in der Klappe gelegt, das eine konstante Temperatur von 37 Grad hat.

Zwischen der Einweihung und Ende 2009 wurden am Marienkrankenhaus sechs Neugeborene anonym abgegeben. Seit über fünf Jahren sei allerdings kein Kind in Kassel mehr in die Babyklappe gelegt worden, sagt Sozialpädagogin Barbara Gröger-Schmitt von der Adoptionsstelle des SfK in Fulda.

Neben dem Marienkrankenhaus in Kassel unterhält der Sozialdienst solche Babyklappen auch in Hanau und Fulda. Seit dem Jahr 2002 wurden insgesamt 20 Säuglinge abgegeben und anschließend für eine Adoption vermittelt. Nach Angaben von Gröger-Schmitt hat sich bis heute keine der 20 leiblichen Mütter gemeldet, um Kontakt zu ihrem Kind aufzunehmen. Während in Kassel und Fulda in den vergangenen Jahren keine Säuglinge mehr in die Babyklappe gelegt worden sind, sind die Zahlen in Hanau ungewöhnlich angestiegen. 2013 wurden vier Neugeborene anonym abgegeben, 2014 waren es drei Kinder. „Dafür haben weder wir noch das Jugendamt eine Erklärung“, sagt Gröger-Schmitt.

Einmal im Jahr organisiert die Adoptionsstelle für die Kinder und ihre Adoptiveltern ein Sommerfest in Fulda, wo sich alle treffen und über ihre besondere Situation austauschen können. Zudem bietet der Sozialdienst Workshops zu der Thematik für die betroffenen Familien an.

Weniger Kritik

Babyklappen sind nicht unumstritten. Der Ethikrat hat sie stets kritisiert, weil sie den Kindern das Recht auf Wissen ihrer Abstammung raubten. Seitdem in Deutschland seit knapp einem Jahr die vertrauliche Geburt (die Schwangere legt hier ihre Identität nicht offen) möglich ist, sei die Kritik an der Babyklappe weniger geworden, sagt Gröger-Schmitt.

Nur ein Baustein

Die Babyklappe sei ja nur ein Baustein von verschiedenen Möglichkeiten für Mütter, die ihr Kind nach der Geburt abgeben wollten.

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