Am 30. August Jubiläumsfeier

25 Jahre Skateboardverein in Kassel: Als ein Trend ins Rollen kam

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Die Gründer: Valentin Kopetzki (links) und Klaus Waha mit Erika Finger, die in Kassel als Erste Skateboards verkaufte. Kopetzki arbeitet heute als Grafiker und Waha ist Schreiner. Foto: Ludwig

Kassel. In den 80er-Jahren wurden die Typen auf den rollenden Brettern noch skeptisch beäugt. Heute gehören Skateboarder selbstverständlich zum Stadtbild. Für diese Entwicklung hat sich maßgeblich der „1. Skateboardverein Kassel Mr. Wilson“ eingesetzt, der seit 25 Jahren existiert.

Von „Freaks“ und „Brettl-Akrobaten“ ist in HNA-Ausgaben der 80er-Jahre zu lesen. Gemeint waren Skateboarder, die seit damals auch in Kassel unterwegs waren. Bis der Trend aus Amerika von Stadt und Bevölkerung nicht mehr nur als Quelle von Lärm und Ärger wahrgenommen wurde, war es ein weiter Weg.

Im Vergleich mit anderen deutschen Städten sei Kassel skateboardtechnisch viele Jahre Ödland gewesen, berichtet Valentin Kopetzki (44), einer der Kasseler Pioniere auf dem Brett. Doch lange bevor Kopetzki mit Freunden 1989 den „1. Skateboardverein Kassel“ gründete, gab es erste Schritte. Den ersten wagte er selbst mit seinem Bruder 1984.

Längst nicht volljährig machten sich die Kopetzki-Brüder mit einer Geschäftsidee auf zum Surf- und Drachenladen an der Schönfelder Straße. Sie fragten die Inhaberin Erika Finger, ob sie nicht auch Skateboards verkaufen wollte. Die gab es in Kassel bis dahin nirgendwo. „Die Jungs waren so begeistert von ihrer Idee“, erinnert sich Finger, die heute das Nachfolgegeschäft „Fingerz“ am Entenanger betreibt. Und so kaufte sie für 4000 DM die ersten Skateboards und die Jungs übernahmen den Verkauf.

Schwerer Stand: Kasseler Skater hatten mit Anwohnerprotesten gegen Lärm zu tun.

Das Geschäft lief so gut, dass schließlich nur noch Skateboard-Artikel verkauft wurden. „Der Laden wurde zum Epizentrum der Szene“, erinnert sich Kopetzki. Ein Problem blieb: Es gab keinen vernünftigen Platz zum Skaten. Wer über Rampen oder in Halfpipes fahren wollte, der musste ins Umland ausweichen, wo es schon Anlagen gab. „In Kassel waren wir bei Minusgraden in Unterführungen unterwegs. Es war klar, wir mussten uns organisieren, um etwas zu erreichen“, sagt Kopetzki. So sei die Vereinsidee entstanden und „1. Skateboardverein Kassel“ habe „so schön seriös“ geklungen. Der Zusatz „Mr. Wilson“ kam erst viel später hinzu.

Als 1991 die erste Rampe in der Goetheanlage eröffnet wurde, war die Freude aber von kurzer Dauer. Wegen Anwohnerbeschwerden über Lärm verlegte die Stadt die Anlage 1992 ans Auestadion - auf einen Schotterparkplatz.

Weil der Schotter sich nicht mit den Rollen der Skateboards vertrug, nahm ein gewisser „BMX Sascha“ die Sache in die Hand, erinnert sich Klaus Waha, ebenfalls Kasseler Skater der ersten Stunde. In einer nächtlichen Aktion verlegte er die Rampe unter die Autobahnbrücke an der Giesenallee. Der Skatepark „Hall of Fame“ war geboren.

Die Suche nach einem Dach über dem Kopf verlief ebenso wechselhaft: Nachdem eine neue Generation von Skatern die Vereinsführung übernahm, entstand die erste Skaterhalle auf der heutigen Samuel-Beckett-Anlage. Sie musste 2006 den Stadtvillen weichen. Die zweite Halle an der Wolfhager Straße wurde dem Verein 2011 gekündigt. Seit 2012 trifft sich die Skategemeinde in der Kesselschmiede in Rothenditmold und will da auch bleiben.

Von Bastian Ludwig

Weitere Fotos aus den 25 Jahren

Mr. Wilson: 25 Jahre Skateboardverein in Kassel

Archivvideo: Bowl Team Jam in der Skaterhalle

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