Seit 2008 sind Teile des Erdreichs im Ortskern von Nordshausen offenbar noch verseucht – Menge unklar

Jahrelanger Streit nach Öl-Unfall

Wasser und Öl: An mehreren Stellen hat die Bodenplatte im Keller des Hauses von Lars Johanson Löcher. Daraus wird seit Monaten nicht nur Wasser, sondern auch nach wie vor Öl abgepumpt. Seitdem kann Johanson den Keller nicht nutzen. Foto: Michaelis

Nordshausen. Fast drei Jahre nach dem Tank-Unfall im Kasseler Stadtteil Nordshausen ist dort noch immer Öl im Boden. An der weiteren Sanierung wird vorerst nicht gearbeitet. Anwohner Lars Johanson, Hauptgeschädigter des Unfalls, will sich damit nicht abfinden und klagt gegen die Allianz-Versicherung auf Beseitigung des Schadens.

Am 8. Oktober 2008 waren beim Befüllen eines Tanks in einem Wohnhaus etwa 1400 Liter Heizöl im Boden versickert. In einem Strafprozess hatte das Amtsgericht Kassel dafür den Fahrer des Tankwagens sowie den Installateur der Tankanlage zu Geldstrafen verurteilt.

Wie viel Öl sich noch im Boden befindet, ist ungewiss. Bei den letzten Proben in seinem Keller seien noch immer viel zu hohe Werte festgestellt worden, sagt Johanson. Nach dem Unglück im Jahr 2008 hatte die Untere Wasserbehörde einen Sanierungszielwert von 500 Milligramm Öl pro Kilogramm Boden vorgegeben. Laut Johanson lag der Wert zuletzt bei 800 Milligramm. Unklar ist, welchen Weg das Öl nach dem Unfall nahm. Den von Johanson genannten Wert könne er nicht kommentieren, sagte Dr. Jürgen Drewitz, Leiter der Abteilung Umweltschutz im Umwelt- und Gartenamt. Die Angabe sei „nicht nachvollziehbar“.

Wegen des hohen Grundwasserpegels im Ortskern hat Johanson im Keller seines Hauses einen Pumpensumpf, aus dem täglich mehrere Dutzend Liter Wasser abgepumpt werden. Seit dem Unfall wird das Wasser durch einen Ölabscheider geleitet. Auf der Wasseroberfläche in dem Pumpensumpf sind noch immer Ölschlieren zu sehen. Zudem wurden weitere Bohrungen im Keller gesetzt. Auch daraus wird Wasser abgepumpt.

Seit dem Unfall ist das Haus unbewohnbar. Wegen der Bohrungen in der Bodenplatte kann Johanson seinen Keller nicht benutzen.

Mehrere Monate hatten Arbeiter versucht, den Schaden zu beheben. Johanson kritisiert die bisherigen Arbeiten als unzureichend. Offensichtlich scheue sich die Allianz, das Ausmaß des Schadens wegen der hohen Kosten zu ermitteln und zu beheben. Angeblich sollen die bisherigen Arbeiten mehr als eine halbe Million Euro gekostet haben.

Johanson und sein Anwalt Björn Söder sagen, dass die Allianz auf Zeit spiele. Mehrfach habe die Gegenseite Fristen verstreichen und Ortstermine platzen lassen. Hans-Joachim Burghard, der die Versicherung vor Gericht vertritt, weist das zurück. Er zitiert ein Gutachten, wonach es nur kleine Öl-Lachen im Boden gebe, die „so was von unbedeutend“ seien. In allen Proben seien Grenzwerte unterschritten worden. Eine Sanierung sei nicht mehr notwendig.

„Mir geht es nicht um Geld“, sagt Johanson. 65 000 Euro habe ihm die Allianz bereits angeboten. Wäre er darauf eingegangen, wäre Johanson für weitere Schäden durch das Öl verantwortlich, wenn es auf benachbarte Grundstücke fließe. „Deswegen habe ich auf Beseitigung des Schadens geklagt“, sagt er. „Ich will einfach nur, dass das Öl wegkommt und ich wieder in mein Haus einziehen kann.“

Von Claas Michaelis

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