1952: Bundesgrenzschützer nahmen in Kassel Arbeit auf

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Die Anfänge in Kassel im Jahr 1952: Die Grenzjäger des Grenzschutzkommandos West marschierten vor dem früheren Generalkommando (heute Bundessozialgericht) am Graf-Bernadotte-Platz. Das Kommando West sollte vor allen Dingen die hessischen Ostgrenzen schützen.

Kassel. Es gibt wohl kaum eine zweite Behörde, die so stark von der Teilung Deutschlands und später vom Fall der innerdeutschen Grenze betroffen gewesen ist: Der Bundesgrenzschutz, der im Jahr 2005 vom damaligen Bundesinnenminister Otto Schily in Bundespolizei umbenannt wurde.

Heute vor 60 Jahren, am 1. September 1952, wurde der Kasseler Standort der Bundesbehörde eröffnet.

Bereits im März 1951 waren das Gesetz über den Bundesgrenzschutz und die Einrichtung von Grenzschutzbehörden in Kraft getreten. Der Grenzschutz stellte die ersten bewaffneten Kräfte der jungen Bundesrepublik, fünf Jahre vor Gründung der Bundeswehr. Die Grenzschützer in Kassel wurden zunächst im Generalkommando am Graf-Bernadotte-Platz (heute Bundessozialgericht) untergebracht. Ihre Kernaufgabe war die Bewachung der Grenze zwischen Hessen und Thüringen. Polizeioberkommissar Klaus Arend, heute Sprecher der Bundespolizeiinspektion Kassel, erinnert sich daran, wie er mit Kollegen „schwer bewaffnet“ an der innerdeutschen Grenze unterwegs war, um zu schauen, was „drüben alles passiert“.

In den 1970er-Jahren, als die Menschen für ihre Rechte verstärkt auf die Straße gingen - und gegen Atomkraft und die Startbahn West demonstrierten -, mussten die Grenzschützer die Landespolizei unterstützen, sagt Polizeirat Carsten Decker, unter dessen Leitung heute 240 Mitarbeiter bei der Bundespolizeiinspektion Kassel an der Heerstraße arbeiten. Die Nachbarschaft zum IC-Bahnhof ist gewollt.

Bundespolizei heute an der Heerstraße: Polizeiobermeisterin Melanie Töpler (von links), Polizeihauptmeister Matthias Tasche, Horst Tschepa mit Schutzhund Athos, Polizeirat Carsten Decker, Chef der Inspektion, und Pressesprecher Klaus Arend. Foto: Pflüger-Scherb

Die heutige Bundespolizeiinspektion Kassel hat sich nämlich aus den Bahnpolizeiwachen Kassel und Bebra gebildet. Die Aufgaben der Bundespolizisten haben sich mit Wegfall der innerdeutschen Grenze und der Privatisierung der Deutschen Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG im Jahr 1992 geändert. Seitdem sind sie auch für die Sicherheit an Bahnhöfen und am Schienennetz zuständig. „Ein Dauerbrenner sind Diebstähle von Erdungskabeln an den Bahnstrecken und Einbrüche in Bahngebäude“, sagt Decker. Natürlich sind seine Mitarbeiter auch immer wieder gefordert, wenn ein Castortransport mit Nuklearmüll unterwegs ist und Demonstranten die Bahnstrecke blockieren.

Darüber hinaus ist die Polizeibehörde auch für die Luftsicherheit und weiterhin für die Sicherung der Grenzen verantwortlich. Obwohl Kassel längst kein Zonenrandgebiet mehr ist, habe man hier mit auffällig vielen Schleusungsdelikten zu tun, sagt Decker. Das liege an der zentralen Lage der Stadt. Von hier aus würden eingeschleuste Ausländer nach ganz Deutschland verteilt. Von den 600 Delikten, die die Kasseler Bundespolizei pro Monat registriere, seien 100 Strafanzeigen wegen des Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz.

Weitere Aufgaben für die Kasseler Bundespolizisten kommen mit der Eröffnung des Flughafens Kassel-Calden im Frühjahr 2013 hinzu.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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