Vor 75 Jahren wurde die Paracelsus-Elena-Klinik gegründet

Namensgeberin: Königin Elena von Italien (1879-1952)

Kassel. Es war eine schicksalhafte Begegnung am Krankenbett der Prinzessin Mafalda, die den Grundstein für die Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel legte.

Die Tochter der italienischen Königin Elena und Ehefrau des Prinzen Philipp von Hessen, Prinzessin Mafalda, war schwer an einer Lungenentzündung erkrankt.

Die Klinik im Regiowiki

So begegnete der Leibarzt des Prinzen, der Allgemeinmediziner Dr. Walther Völler, in Kassel damals Königin Elena. Die Idee für die Klinikgründung entstand. Und Elena wurde Namensgeberin, als die Klinik vor 75 Jahren, im August 1937, eingeweiht wurde.

Schlossähnliches Anwesen: In diesem Landhaus am Rande des Hachichtswaldes fand die einstige Königin-Elena-Klinik 1937 ein Zuhause. Im Laufe der Jahrzehnte kamen einige Erweiterungsbauten hinzu. Heute steht hier eine moderne Paracelsus-Klinik mit historischem Charme. Foto:  Para

Am morgigen Freitag feiert die älteste deutsche Fachklinik für die Behandlung von Parkinson-Syndromen dieses Jubiläum. Für das Klinik-Team gibt es noch einen Grund zum Feiern: Auf der aktuellen Focus-Liste der besten Kliniken Deutschlands findet sich die neurologische Klinik unter den fünf besten Krankenäusern für die Behandlung von Parkinson.

Zurück zum Beginn: Königin Elena hatte Anfang der 1930-er Jahre in Italien Spezialkliniken zur Behandlung von Patientien mit Parkinson-Symptomen einrichten lassen. Denn nach einer großen Grippe-Epidemie am Ende des Ersten Weltkrieges litten damals viele Menschen (in Deutschland fast 40.000) an den Spätfolgen der europäischen Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica). Elena wiederum hegte großes Interesse an der Homöopathie und alternativen Heilmethoden, auf die sich der Kasseler Arzt mit Praxis an der Oberen Königsstraße verstand.

Der Klinikgründer: Dr. Walter Völler 1942 im Gespräch mit Patienten. 1965 trat sein Sohn Dr. Gerd Völler in seine Fußstapfen. Von 1978 bis 2003 leitete Dr. Gudrun Ulm die Spezialklinik. Ihr folgte Prof. Dr. Claudia Trenkwalder.

Auch aus der Reichshauptstadt gab es Unterstützung für die Gründung einer deutschen Fachklinik in Kassel: Die Kooperation war schließlich ein willkommenes Projekt angesichts der Annäherung zwischen dem faschistischen Italien Mussolinis und dem nationalsozialistischen Hitler-Regime, hat der Historiker und Journalist Albrecht Weisker bei seinen Recherchen zu einem Buch über die Geschichte der Parkinsontherapie in der Elena-Klinik herausgearbeitet.

1937 also wurde am Rande des Habichtswaldes in der vom Architekten Hermann Muthesius 1911 errichteten Villa Strombeck die Elena-Klinik eingerichtet. Meist waren es ehemalige Soldaten, die hier mit einem neuartigen Verfahren, der italienisch-bulgarischen Kur, behandelt wurde. Für diese Therapie gewann man aus den Wurzeln der Tollkrische einen Extrakt, den die Patienten zu trinken bekamen. Hinzu kam eine ausgeklügelte Bewegungstherapie, über die Klinikchef Dr. Völler oft persönlich wachte.

Nach dem Tod des Klinikgründers 1965 ließ sein Sohn Dr. Gert Völler die Klinik nach und nach erweitern und forschte intensiv nach den Ursachen von Parkinson und an der Weiterentwicklung der Behandlung. So war die Klinik Anfang der 1960er Jahre an den ersten Pilotstudien des neuartigen Medikaments L-Dopa beteiligt. Dieses ist noch heute Mittel der Wahl bei der Parkinsonbehandlung.

Hintergrund:

Die Paracelsus-Elena-Klinik gehört seit 1980 zum privaten Osnabrücker Paracelsus-Konzern. Sie verfügt über 120 Betten. 160 Mitarbeiter behandeln hier jährlich rund 2200 Patienten, meist aus der Mitte Deutschlands, aber auch aus dem Ausland.

In der neurologischen Fachklinik unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Trenkwalder werden Parkinson-Syndrome und andere Bewegungsstörungen wie das Restless-Legs-Syndrom behandelt.

An der Harleshäuser Klinik wird intensiv geforscht. Aktuell beteiligt man sich an einer internationalen Biomarkerstudie der Michael J. Fox-Stiftung. Auch läuft eine eigene innovative Langzeituntersuchung zum Verlauf der Parkinsonerkrankung mit dem Ziel, die Frühdiagnose zu verbessern.

Erst kürzlich wurde gemeinsam mit der Universitätsmedizin Göttingen das Parkinson-Zentrum Göttingen-Kassel ins Leben gerufen. Beispielsweise bei der Behandlung mit einer Tiefen Hirnstimulation arbeitet man hierbei eng zusammen. (hei)

Stichwort Parkinson:

Parkinson, auch Schüttellähmung genannt, ist nach dem englischen Arzt Dr. James Parkinson benannt, der die Erkrankung 1817 erstmals beschrieb. Sie ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung und gekennzeichnet durch Bewegungsarmut, Zittern, Muskelsteifheit, Gang- und Gleichgewichtsstörungen, Sprech- und Schluckprobleme sowie geistigen Abbau. Bislang lässt sich Parkinson mithilfe moderner Medikamente unter weiterer Therapien nur symptomatisch behandeln. Bei Parkinson-Patienten sterben die Gehirnzellen, die Dopamin herstellen, aus ungeklärter Ursache zunehmend ab.

Von Martina Heise-Thonicke

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