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So hat sich Kassels Innenstadt im Jahr 2022 verändert

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Von: Axel Schwarz

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Hat sich als Ort für Kultur und Begegnung bewährt: Für das Ruruhaus – hier während der d15 im Sommer – wird noch eine dauerhafte Verwendung gesucht. Archi
Hat sich als Ort für Kultur und Begegnung in Kassel bewährt: Für das Ruruhaus – hier während der d15 im Sommer – wird noch eine dauerhafte Verwendung gesucht. (Archivbild) © Matthias Lohr

Die Innenstadt von Kassel hat 2022 einiges durchgemacht. Trotz Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg gibt es auch positive Entwicklungen.

Kassel – Leidige Dinge vergisst man allzu gern, wenn sich der Anlass erledigt hat. Wer im ersten Jahresquartal Besorgungen in Kassels Innenstadt machte, kam nicht ohne Masken- und Testpflicht aus. Zum 1. April wurden die Vorgaben aufgehoben, die wieder stattfindende Casseler Freyheit und geschäftliche Neueröffnungen signalisierten ein lange vermisstes Stück Normalität beim Innenstadtbummel.

Am Königsplatz: Nur kurz war der Leerstand des vierstöckigen Modekaufhauses am Nordrand des Platzes gewesen, nachdem sich der Hamburger Modehändler Peek & Cloppenburg aus Kassel zurückgezogen hatte: Die dänische Kette Magasin du Nord übernahm den Standort als ihre erste Filiale in Deutschland überhaupt.

Königsplatz putzt sich heraus: Im Frühjahr eröffnete das Modehaus „Magasin du Nord“. Archivoto: Andreas Fischer
Königsplatz putzt sich heraus: Im Frühjahr eröffnete das Modehaus „Magasin du Nord“ in der Innenstadt von Kassel. (Archivoto) © Fischer, Andreas

Nur eine Woche später ging in dem benachbarten früheren Bankhaus, dessen Fassade eine aufwändige Renovierung erhalten hat, die trendige US-Burgerkette „Five Guys“ an den Start.

Seit Spätsommer wird nun auch das große rechts angrenzende Gebäude saniert. Im Erdgeschoss, wo sich eine Starbucks-Filiale sowie ein Speiselokal befanden, entsteht eine durchgängige Gastro-Fläche. Wer die nutzen wird, ist noch nicht bekannt.

Entwicklung der Innenstadt von Kassel: Große Herausforderungen für Einkaufsstätten

Die Einkaufsstätten: Eine Herausforderung war 2022 für die meisten von Kassels großen Einkaufsstätten. Vor allem in der Königs-Galerie sind leere Schaufenster und zweckentfremdete Läden ein dauerhafter Anblick geworden. Mit dem Jahresende gibt zudem die Modekette Cos eine der größten und prominentesten Flächen im Haus auf. Neue Mieter seien derzeit äußerst schwierig zu gewinnen, sagt das Management: Kurz vor Weihnachten wurde dann bekannt gegeben, dass das Modehaus Sinn seinen langjährigen Standort am Friedrichsplatz aufgeben und in die Königsgalerie ziehen wird. Was danach mit dem Traditionsgebäude von Sinn passiert, ist unklar.

Zunehmend trist sieht die Lage in der Kurfürsten-Galerie aus, wo großflächiger Leerstand das Bild bestimmt. Der City-Point am Königsplatz hat solche Sorgen nicht: Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Läden vermietet.

Im November kamen alarmierende Nachrichten vom Kaufhauskonzern Galeria: Ein Jahr, nachdem das Kasseler Warenhaus nach aufwendigem Umbau mit neuem Dienstleistungskonzept an den Start gegangen ist, hat das Unternehmen erneut Insolvenz angemeldet. Zwar sehen Branchenkenner das Haus Kassel nach all den Investitionen nicht gefährdet. Der Fall zeigt jedoch, dass im innerstädtischen Einzelhandel auch die größten Akteure nicht vor krisenhaften Veränderungen gefeit sind.

Kassel: Wie kann das Stadtzentrum zukunftsfähig bleiben?

Das Ruruhaus: 100 Tage lang war das alte Kaufhaus im Herzen der Innenstadt das Willkommenszentrum der documenta fifteen, aktuell dient der Bau als städtisches Impfzentrum. Mit Beginn des neuen Jahres wird die Stadt Kassel die Immobilie im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags übernehmen.

Immer wieder war das Ruruhaus als möglicher Standort für ein documenta-Institut gehandelt worden; ein langfristiges Nutzungskonzept steht indessen immer noch nicht fest. Als Ort für Kultur und Begegnung hat das Ruruhaus in diesem Sommer jedenfalls seinen Charme und seine Tauglichkeit bewiesen – auf Angebote dieser Art wird es Experten zufolge ankommen, damit Stadtzentren auch abgesehen vom Einkaufsgeschehen zukunftsfähig bleiben.

Hotels in Kassel: Was ändert sich in der Innenstadt?

Hotelpläne: Im September wurde bekannt, dass Kassel in zentraler Innenstadtlage ein weiteres großes Hotel bekommen soll. Das seit gut einem Jahr geschlossene Hotel im Gebäudekomplex der Kurfürsten-Galerie soll umfassend renoviert und umgebaut werden und dann zur britischen Kette Premier Inn gehören – mit dann 165 statt bisher 128 Zimmern. Ein Eröffnungstermin ist noch nicht bekannt. Nichts Sichtbares getan hat sich dieses Jahr beim Hotelbau-Projekt der Volksbank Kassel Göttingen an der Kurfürstenstraße. Mit den Bauarbeiten für ein „Holiday Inn Express“ wird aber wohl 2023 begonnen. Dagegen ist die Perspektive für das Hotel Hessenland am Brüder-Grimm-Platz wieder ungewiss: Nach zeitweiliger Nutzung als documenta-Künstlerquartier hatten die Investoren zuletzt mitgeteilt, der denkmalgeschützte 50er-Jahre-Bau müsse auf Dauer nicht zwingend ein Hotel bleiben – obgleich dies derzeit noch vorrangiges Ziel sei.

Die Innenstadtfeste: Nach zwei Jahren pandemiebedingter Absagen und Einschränkungen konnten die Kasseler ihre Innenstadt 2022 auch abseits der documenta einmal wieder als Schauplatz unbeschwerter Publikumsfeste erleben – mit der Casseler Frühlings- und Herbst-Freyheit, mit einem gewohnt atmosphärischen Märchen-Weihnachtsmarkt und mit einem Flic-Flac-Artistenzelt größer denn je auf dem Friedrichsplatz.

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