Dermatologe erklärt, welche Risiken Rasur birgt

Jetzt ist Januhairy: Bikinizone, Beine und Achseln bleiben behaart

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Dieses unbehaarte Bild bröckelt: Im Januar 2019 geht der Trend nicht mehr zur rasierten Haut. In den vergangenen Jahren hatte sich ein großer Teil der Gesellschaft darauf versteift, dass Beine, Achseln und Bikinizone unbehaart sein sollten. Doch nun wird diese Vorstellung überholt - junge Frauen verzichten bewusst auf die Haarentfernung.

Bikinizone, Beine und Achseln bleiben jetzt bei vielen jungen Frauen behaart. Denn es ist Januhairy - doch was steckt dahinter? Und schadet Rasieren wirklich der Haut?

Körperbehaarung - in den 1960er-Jahren gehörte die buschige Achsel noch wie die Badekappe zu jedem Schwimmbadbesuch. Damals machte sich wohl niemand große Gedanken darum, ob eine Frau mit Lockenpracht rund um die Bikinizone an Attraktivität einbüßen könnte. Ganz anders ist es inzwischen: Die Rasur des Körpers gehört heute auch in Deutschland für die meisten Frauen ganz selbstverständlich zur Routine im Badezimmer. Doch damit ist nun Schluss: Der haarige Januar - Januhairy - soll Frauen auf der ganzen Welt vom Schwingen der Rasierklingen abhalten. Doch woher kommt dieser Trend?

Was ist der Januhairy?

Januhairy ist ein Phänomen, das erstmals via Instagram in Erscheinung trat. Der Begriff setzt sich aus den englischen Vokabeln january (Januar) und hairy (haarig, behaart) zusammen. Auf Instagram postete Laura Jackson ein Bild von sich. Darauf trägt sie ein ärmelloses Top, ihr rechter Arm ist nach oben gestreckt. Dem Betrachter eröffnet sich der Anblick einer dunkel behaarten Achsel. 

Laura Jackson steht selbstbewusst zur Achselfrisur: Die junge Engländerin stellt sich bewusst gegen das Schönheitsideal des unbehaarten Frauenkörpers. Sie ist die Begründerin des Januhairy.

Die 21-jährige Engländerin will mit dem Motiv ein Tabu brechen. Frauen sollen sich im Januar einfach keine Gedanken um die Entfernung ihrer Körperhaare machen. Das teils aufwendige und zeitraubende Ritual soll man sich nun ersparen. Die Idee kam der Studentin aus Exeter (Südwest-England), als sie 2018 für einen Theaterauftritt das Rasieren einstellen musste. Auf Instagram beschreibt sie diese Erfahrung als sehr positiv: "Ich fühlte mich befreit und selbstbewusster." Das war der Grund, den Januhairy ins Leben zu rufen.

Teilnehmerin aus Polen: Kaja Szulczewska lässt für den Januhairy die Haare sprießen.

Viele junge Frauen fühlten sich offenbar von Laura Jackson motiviert, der Natur ihren Lauf zu lassen. Unter dem Hashtag #januhairy sind bisher mehr als 3000 Bilder (Stand: 12. Januar 2019) von unrasierten Teilnehmerinnen eingelaufen. Sie kommen aus vielen Ländern der Welt: Beiträge aus Polen, den USA, Deutschland, Russland und Australien sind beispielsweise dabei. Auch Lauras Mutter gehört zu den Teilnehmerinnen der Aktion. 

Hinter der ganzen Aktion verbirgt sich zudem ein Engagement für den guten Zweck. Januhairy unterstützt Body Gossip. Die Wohltätigkeitsorganisation macht sich schon seit dem Jahr 2006 dafür stark, dass junge Leute ein gutes Körperbild und -bewusstsein entwickeln.

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Das sagt der Mediziner zum Rasieren

Der Verzicht auf Rasur hat offenbar nicht nur einen gesellschaftlichen Aspekt, sondern auch einen medizinischen. Wir haben mit einem Experten gesprochen. Dr. Thomas Meyer ist ein seit Jahrzehnten erfahrener Dermatologe aus Kassel.

Dr. med. Thomas Meyer ist Experte, wenn es um die Haut geht: Der erfahrene Dermatologe behandelt seit Jahrzehnten Patienten in Kassel. 

Er erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung, was genau bei einer Rasur passiert und welche Folgen das haben kann. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Kann die Rasur von Achseln und im Schambereich zu Problemen führen?

"Ja, selbstverständlich", sagt der Mediziner. Dr. Meyer erklärt: Die Körperhaare selbst können schon grundsätzlich zu Problemen führen, weil sie an Stellen wie Achseln und Bikinizone Keimen und Pilzen leicht eine Herberge bieten. Nun zur Rasur: "Man sollte nie vergessen, dass immer mit einer Klinge gearbeitet wird", sagt der Arzt. Insgesamt sieht er mehrere Szenarien, die zu Beschwerden führen können:

  • Verletzungsgefahr - Die Rasierklinge hinterlässt in der Regel Mikroverletzungen (winzige Blessuren) auf der Haut. Wer sich nun beispielsweise die Achseln rasiert, der bearbeitet ein Areal, das durch häufiges Schwitzen stärker mit Keimen belastet ist. Das Infektionsrisiko steigt auch durch Reibung mit Kleidung. Das gilt ebenfalls für die empfindliche Haut im Schambereich.
  • Haare wachsen nach - Jede Rasur birgt das Risiko, dass Haare aus querstehenden Wurzeln wachsen. Das führt dann oft dazu, dass sich eine schmerzhafte Entzündung ausbreitet. Im Volksmund bezeichnet man das als eingewachsenes Haar. 
  • Talgdrüsen - Nach dem Rasieren läuft man Gefahr, dass sich Talgdrüsen durch die Reizung mit der Klinge entzünden. Das Ergebnis sind häufig viele Pickelchen - der klassische Rasurbrand. Meyer hat einen Tipp, wie sich diese Beschwerde vermeiden lässt: Desinfektionsmittel, das nicht brennt, direkt nach der Rasur auftragen. Ein bewährtes Produkt heißt Octenisept und ist in Apotheken sowie Drogerien erhältlich.

Ist das Rasieren der Beine auch mit Risiken behaftet?

Auch wenn es auf Ober- und Unterschenkeln ein deutlich weniger Keim-freundliches Umfeld gibt, ist die Rasur trotzdem nicht ganz unbedenklich. Meyer erklärt woran das liegt: "Bei den Beinen rasiert man eine viel größere Fläche. Je größer die Fläche ist desto größer ist am Ende auch das Risiko".

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Was sind die gängigsten Alternativen zu Rasur?

Meyer nannte uns im Detail einige Methoden, die aktuell recht populär sind.

  • Enthaarungscremes - Sie wirken auf chemischer Ebene. Eine toxische Reaktion führt zum Verlust der Härchen. Doch der Mediziner warnt davor: "Ich würde diese Methode nicht empfehlen. Das kann zu einer schmerzhaften allergischen Reaktion führen." 
  • Laser - "Die Laserentfernung sollte unbedingt ein Facharzt machen", warnt Meyer. Er rät dringend davon ab, eine solche Behandlung von Amateuren machen zu lassen. Allerdings ist auch beim Laser etwas Geduld gefragt: "Es sind mehrere Sitzungen notwendig, bis ein gutes Ergebnis sichtbar ist." Vier bis fünf Behandlungen reichen in den meisten Fällen jedoch aus. Eine Sitzung kostet durchschnittlich zwischen 100 und 200 Euro.
  • Waxing - Heißer oder kalter Wachs wird auf die Haut aufgetragen, die Haare bleiben daran kleben und werden letztlich mit einem beherzten Zug ausgerissen. Das klingt nicht nur relativ schmerzhaft - das ist es auch. "Die Risiken sind bei dieser Methode ähnlich wie bei der Rasur. Deswegen würde ich dazu raten, nur die Beine auf diese Art zu enthaaren." Durch das Ausreißen entstehen nämlich ebenfalls Mikroverletzungen, die sich schnell entzünden können. 

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Kommentare

motzzz
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Schon mal gefragt, was Frauen (nicht 17jährige netzhörige Mädels) von durchrasierten Männerkörpern halten? Habe da
aus dem gemischten Bekanntenkreis einhellige Meinungen,
die den Jungs, die's oben wachsen lassen aber unten blank sind, gar nicht gefallen dürften.

motzzzAntwort
(1)(1)

Um auszusehen, wie Kinder VOR der Pubertät? Körper-Haarwuchs war mal das erste Zeichen, dass man langsam erwachsen wird. Und man war ganz fürchterlich stolz drauf. Jetzt sollen nur noch ein paar Haare ganz oben auf dem Kopf (finde ich grauenvoll und steht auch den Wenigsten) und ein meist ungepflegtes Hipster-Gestrüpp im Gesicht das Non-plus-Ultra für akzeptablen Haarwuchs sein? - Abwarten, die Zeiten ändern sich auch wieder.

Susan Reich
(1)(1)

Wir alle wissen, dass Haare unter den Achseln, in der Buxe ... heutzutage absolut obsolet sind!

Wieder einmal ein Hype von irgendwelchen Insta-Honks! Schlimm, die bekommen viel zu viel Geld dafür, für das Verarschen von zig "Followern" aka Lemmingen. Kleben sich ein paar Haare für ein Bild irgendwo hin und schreiben, dass das jetzt in ist und auf jeden Fall so gemacht werden muss! Aber noch viel schlimmer sind ja diese Lemminge, die blind das tun, was man ihnen vormacht.

Und, wer unter mind. 60 rasiert sich heutzutags nicht die Achseln oder den Bereich da unten von vorne! bis hinten!??? Ist ja ekelhaft! Also, auch Männer dürfen das ruhig tun!

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