Markus Umbachs Sportauto wurde 1979 für Asien gebaut

Japanischer Porsche hält Tüftler auf Trab

Sicher ist sicher: Markus Umbach hat schon zahlreiche Pannen mit seinem Porsche 911 SC erlebt. Vorsichtshalber zieht der gelernte Kfz-Mechaniker nochmal die Radmuttern fest. Fotos: Schaffner

Helsa / Kassel. Markus Umbach hat sich vor zwei Jahren einen Kindheitstraum erfüllt: einen 1979 gebauten Porsche 911 Super Carrera (SC) mit nur 62 500 Kilometern Laufleistung.

Bis er den Sechszylindermotor seines Traumautos sorgenfrei ausfahren konnte, sollte jedoch noch eine lange Zeit vergehen. Zeit, die er meist in der elterlichen Garage im 25 Kilometer östlich von Kassel gelegenen Helsa-Eschenstruth verbracht hat.

Nahe der deutsch-niederländischen Grenze kaufte er 2008 nach einer kurzen Probefahrt den Sportwagen für 14 000 Euro bei einem Autohändler, lud ihn auf den Anhänger und fuhr glücklich nach Nordhessen zurück.

„Zu Hause habe ich selbst die große Inspektion gemacht, die Reifen erneuert - und schon ging es auf eine kleine Spritztour“, erinnert sich der gelernte Kfz-Mechaniker. Doch die erste Fahrt endete bereits nach wenigen Kilometern: Bremsanlage defekt.

Nachdem er diese instand gesetzt hatte, folgten rasch weitere Pannen: Kupplungsprobleme, Ölverlust, Zündaussetzer. Mehrere hundert Stunden hat Umbach inzwischen an dem 204-PS-starken Boliden getüftelt.

„Ich glaube, ich bin noch keine 500 Kilometer mit dem Neunelfer gefahren“, sagt er. Doch Umbach verzweifelt nicht. Das Tüfteln am SC mache ihm trotz aller technischen Rückschläge viel Spaß. „Ich wollte ja auch was zum Schrauben haben.“

An einer Besonderheit seines Fahrzeugs ist Umbach jedoch bislang gescheitert: der Vorgeschichte. Denn der 911 wurde Ende der 1970er-Jahre ausschließlich für einen Automarkt etwa 9000 Kilometer östlich von Zuffenhausen gebaut: Japan.

Nach Händlerangaben sei er auch erst 2008 wieder ins Herstellungsland zurückgekehrt. Im Handschuhfach des Asien-Imports fand Umbach deshalb zwar Fahrzeugpapiere und zahlreiche Zettel, die an ein Inspektionsheft erinnern, aber es gibt ein Problem: „Ich kann nichts lesen“, sagt der Familienvater und schmunzelt.

In Japan Tempo 100

Habe er sich anfangs noch gewundert, warum der Tacho einen ungewöhnlich großen roten Bereich hat, so weiß er heute: Auf Japans Autobahnen ist nur Tempo 100 erlaubt. Ferner habe ihn überrascht, dass Porsche den Flitzer bereits vor mehr als 30 Jahren mit einem Katalysator ausstattete.

Doch Umbach freut’s, denn Versicherung und Steuern seien dank des H-Kennzeichens spottbillig. Im vergangenen Sommer habe er endlich nach unzähligen Reparaturen seinen Flitzer anmelden können und das begehrte Nummernschild für historische Fahrzeuge bekommen. Da er aber keine deutsche Schlüsselnummer hatte, musste Umbach bei der Zulassung eine besondere Betriebserlaubnis beantragen.

„Es hat Wochen gedauert, bis ich alle Papiere beisammenhatte“, sagt er. Inzwischen ist der 911 fahrbereit und Umbach kann sich endlich für die Mühe am japanischen Porsche belohnen: Itterasshai - gute Fahrt.

Von Sebastian Schaffner

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