Stadt legt aktuellen Zustandsbericht der Verkehrswege vor

Jede fünfte Straße ist kaputt: Schlechte Schulnoten für Kassels Straßen

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Straße der Zustandsklasse sechs: Die Oberste Gasse in der Kasseler Innenstadt ist ein Beispiel für eine Rüttelpiste. Fahrbahn und Gehwege befinden sich in einem sehr schlechten baulichen Zustand, die Straße muss erneuert werden. 

Kassel. Jede fünfte Straße in der Stadt ist kaputt. Im Straßenzustandsbericht 2018 sind 15 Prozent der Kasseler Verkehrswege in Zustandsklasse fünf (schlechter Zustand) eingestuft. Sechs Prozent der Straßen bekommen die Note sechs (sehr schlechter Zustand).

Diese Straßen sind durch Unterhaltungsarbeiten nicht zu retten. Um die 21 Prozent Schlaglochpisten wieder in einen ordentlichen Zustand zu bringen, müssten 166 Millionen Euro investiert werden. 

Der aktuelle Zustandsbericht ist der dritte, den die Stadtverwaltung vorlegt. Im Jahr 2006 war noch jede vierte Straße (25 Prozent) in der Stadt hinüber, 2012 waren 24 Prozent der Straßen in miserablem Zustand. Seither wurden jedes Jahr etwa 21 Millionen Euro in das 685 Kilometer lange städtische Straßennetz investiert. Dafür wurden teils auch Anlieger zur Kasse gebeten. Dies habe bewirkt, „dass sich der allgemeine Straßenzustand in Kassel leicht verbessert hat“, sagt Uwe Bischoff vom städtischen Straßenverkehrs- und Tiefbauamt.

Derzeit sind mehr als die Hälfte der Straßen (51 Prozent) gut in Schuss, sind in den Zustandsklassen eins bis drei. Die Note vier (ausreichend) bekommen 28 Prozent der Straßen in der Stadt. Ab diser Zustandsklasse beginnt für die Straßenbauer bereits der Warnwert – es müsste dringend etwas getan werden. Ab Klasse fünf ist der Schwellenwert erreicht: Es kommt zu Einschränkungen der Verkehrssicherheit.

Auch für die Sanierung von maroden Brückenbauwerken musste viel Geld investiert werden. Inzwischen listet der aktuelle Zustandsbericht nur noch zwölf Brücken mit einem kritischen oder ungenügenden Bauwerkszustand auf. 2012 waren noch 19 Straßen- und Fußgängerbrücken kaputt. Um den Wertverlust des Straßennetzes – Neuwert: 940 Millionen Euro, Zeitwert 2017: 468 Millionen Euro – zu stoppen, müssten jährlich bis zu 31 Millionen Euro investiert werden.

Zu viele schlechte Straßen in Kassel 

Ein bisschen mehr helles Grün, etwas weniger Rot und Lila: Schaut man auf die aktuelle Straßenzustandskarte der Stadt im Internet, sind die Fahrbahnen in Kassel ein wenig besser geworden. Aber weiterhin sind viele Verkehrswege in einem beklagenswerten Zustand.

Das Straßennetz ist nur noch die Hälfte wert, weil über viele Jahre versäumt wurde, ausreichend Geld in die Erhaltung und den Neubau der Kasseler Straßen zu investieren. Nicht bloß Wohnstraßen, sondern auch wichtige Hauptverkehrswege sind zu üblen Schlaglochpisten geworden.

Spötter behaupten bereits, die Zulassungszahlen von Geländewagen und SUV-Geländelimousinen steigen auch mitten in der Stadt nur deshalb so stark an, weil man mit regulären Personenwagen auf vielen desolaten Straßen kaum noch fahren könne.

Geld für neue Straßen fehlt

„Das Erscheinungsbild der Stadt als Lebensraum und Wirtschaftsstandort leidet unter diesem Zustand“, sagt Uwe Bischoff vom städtischen Straßenverkehrs- und Tiefbauamt. Die Fachleute wissen, dass mehr Erhaltungsarbeiten nötig wären und auch mehr Neubau, um das Straßennetz so in Schuss zu halten, wie es sich gehört und der Stand der Technik gebietet.

Doch dafür stellen die Stadtverordneten nicht genügend Geld bereit. Zwar habe sich seit den Analysen für den ersten Straßenzustandsbericht im Jahr 2006 schon viel verbessert. Aber Kassels Zukunft benötige eine gute Verkehrsinfrastruktur.

„Der Weg, den wir in den letzten Jahren eingeschlagen haben, war richtig und gut, aber wir sind noch lange nicht am Ziel“, zieht Bischoff die Bilanz des Zustandsberichts 2018: „Da müssen wir weiter dran arbeiten.“ Das gelte auch für die 175 Brücken samt der zugehörigen 225 unterstützenden Bauwerke in der Stadt.

Noten von eins bis sechs für den Straßenzustand 

Im Geoportal der Stadt Kassel im Internet kann jeder Einblick nehmen in die Straßenzustandskarte 2018. Im Jahr 2017 wurde das Straßennetz analysiert. Die Einteilung aller Fahrbahnen erfolgt in sechs Klassen nach der Wertermittlung in Prozent des Neuzustands. Das reicht wie bei Schulnoten von sehr gut (neue oder 100 Prozent erhaltene Straßen) bis sechs (sehr schlechter Zustand, Straße muss erneuert werden): www.kassel.de/stadtplan

Hier wird bald gebaut: Von der Ahnabrücke bis zum Wolfsgraben

Das sind die geplanten Straßen- und Brückenbauprojekte in diesem und den kommenden Jahren (Auswahl):

  • Ahnabrücke Weserstraße (Sanierung) 
  • Am Kranichholz 
  • Am Sandkopf 
  • Baugebiet „Am Felsenkeller“ (Endherstellung) 
  • Baugebiert „Vor dem Osterholz“ (Endherstellung) 
  • Baugebiet „An der Söhrebahn“ (Endherstellung) 
  • Brücke Daspelstraße (Neubau) 
  • Brücke Flutgraben Waldau (Neubau) 
  • Brücke Gobietstraße (Sanierung) 
  • Brücke Henkelstraße (Sanierung) 
  • Brücke Pavillion (Neubau) 
  • Brücke Spielplatz Fuldaaue (Neubau) 
  • Brücke Untere Bornwiesenstraße (Neubau) 
  • Damaschkebrücke (Neubau)
  • Drei Brücken / Wolfhager Straße (Neubau mit Deutscher Bahn) 
  • Druseltalstraße 
  • Eifelweg 
  • Heinrich-Heine-Straße
  • Jahnstraße 
  • Kreisstraße 6 (Fahrbahndeckensanierung) 
  • Kasseler Straße 
  • Königinhofstraße 
  • Gewerbegebiet „Langes Feld“ (2. Bauabschnitt) • Grenzweg (Lärmsanierung) 
  • Moritzstraße 
  • Maiglöckchenweg 
  • Obere Königsstraße (2. Bauabschnitt) 
  • Oderweg 
  • Querallee (Lärmsanierung) 
  • Rundes Feld 
  • Sternbergstraße
  • Stützwand Ottostraße (Sanierung) 
  • Unterneustadt (südliches Quartier) 
  • Weinberg (Sanierung Straßenbrücke) 
  • Westerwaldstraße 
  • Wolfsgraben/Höheweg

Protestaktion im benachbarten Wolfhagen

Auch in anderen Teilen des Kreises Kassels gibt es viele kaputte Straßen. Im Wolfhager Ortsteil Viesebeck gab es am Sonntag eine ungewöhnliche Protestaktion gegen Schlaglöcher. 

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