Ehepaar Drews ist heute 60 Jahre verheiratet

Bei jedem Auftritt war er dabei

Feiern heute Diamantene Hochzeit: Das Ehepaar Liselotte und Eduard Drews. Foto: Nicklas

Harleshausen. Die alten Hände drehen den Lautstärke-regler der Musikanlage auf. Schlagermusik kommt aus den silbernen Boxen. „Das kann ich den ganzen Tag hören“, sagt Eduard Drews. Vor 60 Jahren haben er und seine Frau Liselotte in der Fatimakirche in Wilhelmshöhe geheiratet.

Kennengelernt haben sich der heute 81-Jährige und seine 79-jährige Frau 1948. Sie trafen sich im heutigen Kaufhof. Außen über eine Holztreppe gelangte man in den großen Tanzpalast. „Es gab nur ein Getränk: Wasser mit Geschmack für 60 Pfennig“, erinnert sich der gelernte Kraftfahrzeugschlosser. Dann hat der damals 19-Jährige die 17-Jährige zum Tanzen aufgefordert. „Er hatte einen außergewöhnlichen Tanzstil“, sagt Liselotte Drews, die damals noch Muhl hieß. „Je schneller sich die Beine auf der Stelle bewegt haben, desto besser“, fügt ihr Mann hinzu: „Das habe ich von einem amerikanischen Offizier gelernt.“

Ein Jahr Vormund

Auf dem Nachhauseweg - er wohnte am Bebelplatz, sie bei ihren Großeltern an der Kattenstraße - haben sie sich verliebt. „Sie war zurückhaltender als die anderen Mädchen, bei ihr konnte ich nicht sofort landen“, sagt Eduard Drews augenzwinkernd. Liselottes Vater war im Krieg gefallen, ihre Mutter gestorben, als sie 16 war. Er heiratete sie, damit sie wieder ein Zuhause hatte. „Danach war ich noch ein Jahr Vormund für meine Frau.“

Heute sind seine schwarzen Haare den grauen gewichen. Eduard Drews ist krank, wurde in diesem Jahr schon vier Mal operiert. Früher hatten sie ein großes Haus an der Rasenallee, jetzt leben sie in einer kleinen Dreizimmerwohnung. Sie geht jeden Nachmittag spazieren, dann sitzt ihr Mann am Laptop und schreibt seinen Enkeln bei Facebook Nachrichten. „Sie sagen, ich sei der schlauste Opa der Welt“, erzählt er.

Auftritte als Sängerin

Ohne einen Gutenachtkuss gehen sie nie ins Bett. „Er ist sehr dankbar dafür, dass ich mich so gut um ihn kümmere“, sagt die 79-Jährige, während sie alte Zeitungsartikel und eine vergilbte Autogrammkarte holt. Früher hat ihr Mann alles für sie gemacht. „Tag und Nacht war ich auf den Beinen, um sie zu ihren Auftritten zu fahren“, sagt er. Als Sängerin Hedi Drews feierte seine Frau große Erfolge.

Die beiden nahmen im Wohnzimmer eine Kassette auf und schickten sie an Hubert Wolf von den Original Böhmerländer Musikanten. „Schon eine Woche später gab ich mein erstes Konzert“, sagt Liselotte Drews. Bei den „Lustigen Musikanten“ trat sie auf, im Rundfunk und bei Hafenkonzerten. „Er hat mich immer unterstützt, deswegen sind wir 60 Jahre verheiratet“, sagt die 79-Jährige. Sie sind füreinander da, auch als vor zwei Jahren ihre zweitälteste Tochter an Leukämie gestorben ist. „Das war unser großer Schicksalsschlag“, sagt der 81-Jährige und hat eine Träne im Auge.

Von Mareike Nicklas

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