In Kassel wurde am 8. März 1763 eine der ältesten Handelskammern Deutschlands ins Leben gerufen

Industrie- und Handelskammer feiert 250-jähriges Bestehen

Kassel. Die Geburtsstunde einer der ältesten Handelskammern in Deutschland schlug heute vor 250 Jahren in Kassel: Mit dem von Landgraf Friedrich II. eingesetzten „Commerz-Colleg“ fiel am 8. März 1763 „der Startschuss für die Selbstverwaltung der regionalen Wirtschaft“.

So sagt es Dr. Walter Lohmeier, Hauptgeschäftsführer der heutigen Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg.

Egal ob Kioskbetreiber oder Chef eines 500-Mitarbeiter-Betriebs – in den Gremien der IHK hat jedes Mitglied eine gleichwertige Stimme zur Mitgestaltung. Bis dahin war es ein langer Weg, denn anfangs war die Kammer nicht mehr als ein Hilfsorgan der Herrscher von Hessen-Kassel, um deren Interessen in Sachen Wirtschaftslenkung zu verfolgen. Erst mit dem Kammergesetz in preußischer Zeit wurde die IHK von einer Quasi-Behörde zur weitgehend unabhängigen Interessenvertretung der Handels- und Gewerbetreibenden.

Seither übernimmt die IHK auch fest definierte hoheitliche Aufgaben anstelle des Staates. Zum größten Teil sind dies die beruflichen Abschluss- und Weiterbildungsprüfungen, die meisten der etwa 3000 Ehrenamtlichen bei der IHK engagieren sich auf diesem Feld. „Wir definieren die Berufsbilder nicht, aber wir haben sie zu überwachen“, sagt Lohmeier.

Ein zweites Arbeitsfeld ist die Vertretung wirtschaftlicher Interessen gegenüber der Politik. „Dabei verstehen wir uns nicht als Lobby für bestimmte Branchen und Unternehmen“, betont der Hauptgeschäftsführer. Die Prinzipien der Pflichtmitgliedschaft sowie der inneren Demokratie geböten es für die IHK, „möglichst viele Interessen mitzunehmen“.

Schließlich ist die IHK auf vielen Feldern als Dienstleister aktiv. Sie stellt Außenhandelsbescheinigungen aus und liefert Expertisen für Behörden, jenseits hoheitlicher Aufträge macht sie zudem zahlreiche Informations- und Beratungsangebote. Zu Rechtsfragen, Existenzgründung, Unternehmensnachfolge, Bankenkrise, Internethandel und vielen weiteren Themen können sich die Mitglieder Rat bei Fachleuten der Kammer holen.

Nach ihrem heutigen Selbstverständnis gehe es der IHK darum, die Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln zu gestalten, sagt Lohmeier. „Aber wir handeln selbst nicht auf Feldern, die erfolgreich von privaten Wirtschaftsakteuren betrieben werden können.“

Von Axel Schwarz

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