In drei Stadtteilen ist Migranten-Anteil höher als in Neukölln

Jeder dritte Kasseler hat ausländische Wurzeln

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Döner-Imbiss, Teestube, türkische Lebensmittel: An der Unteren Königsstraße konzentrieren sich viele Geschäfte von Türken.

Kassel. In den Kasseler Stadtteilen Nord-Holland, Wesertor und Oberzwehren haben mehr als 50 Prozent der Bewohner ausländische Wurzeln. Dieser Anteil ist höher als im Berliner Bezirk Neukölln (41 Prozent).

Der dortige Bürgermeister Heinz Buschkowsky erregt derzeit mit seinem Buch „Neukölln ist überall“ Aufsehen. Er beschreibt erschreckende Beispiele gescheiterter Integration und zeigt die Bildung von Parallelgesellschaften auf.

Auch in der Kasseler Nordstadt gibt es Menschen, die ihren Stadtteil kaum verlassen. Und es gibt mindestens zwei Moscheen in der Stadt, die wegen extremistischer Tendenzen vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Was Buschkowsky beschreibt, treffe für Kassel in dieser Form aber nicht zu, sagt Reinhold Weist, Referent des Oberbürgermeisters. Allerdings gebe es Bereiche - etwa die Nordstadt, Mattenberg oder Brückenhof - in denen sich Zuwanderer und Menschen mit wenig Geld ballten.

„Wir müssen darauf achten, dass dort keine kulturelle Spaltung entsteht“, sagt Ullrich Bieker vom städtischen Zukunftsbüro. In diesen Stadtteilen, in denen sonst möglicherweise sozialer Sprengstoff entstehe, gebe es aber Einrichtungen wie den Schlachthof mit seinen Sprach- und Integrationsangeboten und das Sportzentrum Freestyle, das auch frustrierte Jugendliche erreiche.

In Kassel liegt der Anteil der Menschen mit ausländischen Wurzeln bei 33 Prozent (Bundesschnitt: 19,3 Prozent). Als Menschen mit Migrationshintergrund gelten neben Ausländern alle seit 1949 Zugewanderten und Deutsche mit einem Elternteil, das zugewandert oder als Ausländer in Deutschland geboren ist. Der Anteil Ausländer, also der Menschen ohne deutschen Pass, liegt in Kassel bei 12,6 Prozent, im Landkreis bei 3,8 Prozent.

Wichtigste Voraussetzung zur Integration sei die Sprache, sagt Bieker. Ein Drittel der Vorschul-Kinder aus Migrantenfamilien spricht nicht gut genug Deutsch. (rud)

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