Jeder fünfte Auszubildende bricht seine Lehre ab

Kassel. Jeder fünfte Lehrling führt seine Ausbildung nicht zu Ende. Diese Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung treffen auch auf die Region zu, sagt Detlef Hesse, Leiter der Arbeitsagentur Kassel.

„Angesichts des demografischen Wandels und des drohenden Fachkräftemangels können wir es uns nicht mehr leisten, Kapazitäten in diesem Umfang zu vergeuden.“

Wenn Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst werden, könnten die Plätze nicht immer nachbesetzt werden. Für Betriebe und Auszubildende - und damit die Wirtschaft - gehe wertvolle Ausbildungszeit verloren, sagt Hesse. Bei der Industrie- und Handelskammer Kassel wurden voriges Jahr 7,9 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse vorzeitig aufgelöst.

Bei der Handwerkskammer lag die Quote 2010 bei 10,9 Prozent. Die Kammern setzen die Zahl der gelöschten Verträge innerhalb eines Jahres in Bezug zur Gesamtzahl der Ausbildungsverhältnisse.

Die Studie hingegen, auf die sich die Arbeitsagentur bezieht, erfasst die Abbrecherquote für einen Jahrgang über alle Ausbildungsjahre hinweg. In einer Vielzahl der Fälle wechsele der Auszubildende lediglich den Betrieb, sagt Ursula Lange, Leiterin der Abteilung Berufsberatung der Handwerkskammer. Die Zahl der „echten Ausbildungsabbrüche“ werde nicht erfasst.

Nach den Zahlen der Arbeitsagentur geht die Initiative für die Vertragslösung zu 57 Prozent von Azubis aus. Die Gründe liegen überwiegend im betrieblichen Umfeld: Vor allem Konflikte mit Vorgesetzten und mangelnde Vermittlung von Ausbildung werden genannt. Aber auch gesundheitliche Probleme, zum Beispiel Allergien auf Arbeitsmaterialien, spielen eine Rolle. Oftmals sei auch eine als falsch empfundene Berufsentscheidung Ursache für den Abbruch. Deshalb gelte es, die Berufsorientierung zu verbessern, so Detlef Hesse, und bei gefährdeten Ausbildungsverhältnissen frühzeitig unterstützend einzugreifen.

Von Katja Rudolph

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