Eichamt: Aber in Kassel weniger Schummelei als in Südhessen

Jeder fünfte Händler trickst beim Abwiegen

Kassel. Beim Abwiegen von Wurst, Obst und Käse sind Nordhessens Metzger, Lebensmittel- und Feinkosthändler dreimal so ehrlich wie ihre Kollegen in Südhessen. Das hat eine Kontrollaktion der Hessischen Eichdirektion ergeben. Dabei haben Testkäufer landesweit 280 Betriebe besucht.

Tricksereien mit dem Verpackungsgewicht zulasten der Kunden sind nach Angaben der Behörde weit verbreitet. In Kassel und der umliegenden Region habe es bei jedem fünften Betrieb Grund zur Beanstandung gegeben. Wesentlich häufiger werden die Kunden im Süden Hessens übers Ohr gehauen: Dort wurden bei zwei Dritteln aller Testkäufe verbotenerweise Einpackpapiere, Pappschälchen oder Plastikbehälter mitgewogen. Ein Befund, den die Eichbehörde ernüchternd nennt, zumal die mehrwöchige Kontrollaktion in den Medien angekündigt worden sei.

Ob die Kunden mit Vorsatz oder aus Fahrlässigkeit übervorteilt werden, sei eine Frage des Einzelfalls, sagte ein Sprecher der Hessischen Eichdirektion. Der Verkauf loser Ware brutto für netto sei aus Gründen des Verbraucherschutzes verboten. Wer dabei erwischt werde, müsse mit einem Bußgeld bis zu 200 Euro rechnen.

Für den einzelnen Kunden geht es nur um geringe Centbeträge, die er zu viel bezahlt – für Händler, die unlauter abwiegen, jedoch um stattliche Extra-Umsätze: Wenn etwa das wenige Gramm leichte Wurst- oder Käsepapier bei jedem Einkauf verbotenerweise mitgewogen werde, könne selbst ein kleines Geschäft 500 Euro pro Jahr zusätzlich einnehmen, rechnet der Behördensprecher vor.

Eichbeamte der Kasseler Außenstelle hatten bei der Aktion 56 Fleisch-, Käse- und Feinkosttheken unter die Lupe genommen, je etwa zur Hälfte in Supermärkten sowie in individuell geführten Geschäften. In acht Fällen waren die Verstöße beim Abwiegen so gravierend, dass Bußgeldanzeigen eingeleitet wurden. Vier weitere Betriebe wurden wegen leichterer Unregelmäßigkeiten verwarnt.

Von Axel Schwarz

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