Ohne Berufsabschluss schlechte Chancen

Jeder Fünfte verdient nicht einmal Niedriglohn

Kassel. Jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte in der Stadt und dem Landkreis Kassel verdient weniger als 1890 Euro brutto im Monat. Dies gilt derzeit in den alten Bundesländern als Niedriglohnschwelle.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB in Kassel hatte für das Jahr 2010 diese regionalen Daten erstmals erhoben. Das Problem müsse dringend angegangen werden, fordert DGB-Kreisvorsitzender Michael Rudolph: „Alle Menschen müssen von ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt bestreiten können.“

Die Zahl der Beschäftigten, die unter der Niedriglohngrenze verdienten, habe sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt, sagt Rudolph. 1995 lag diese Quote in Hessen bei 12 Prozent, im Jahr 2010 waren es 20,9 Prozent.

Besonders schlecht stehe es um Beschäftigte ohne Berufsabschluss. Ihr Anteil bei den Geringverdienern betrug 2010 45 Prozent. Rudolph: „Das ist deutlich mehr als im Bundesschnitt.“ Zum Vergleich: In den alten Bundesländern erhalten 32,6 Prozent der Geringqualifizierten niedrige Löhne.

Betroffen seien nicht nur Mitarbeiter der Logistikbetriebe, sondern auch im Dienstleistungsgewerbe, in Pflege- und Erziehungsberufen. Bei den vollzeitbeschäftigten Fachkräften arbeiteten schon 15 Prozent unter der Niedriglohngrenze. Auch um einem Fachkräftemangel beispielsweise in der Pflege entgegenzuwirken, müssten die Mitarbeiter besser bezahlt werden.

Unstabile Beschäftigungsverhältnisse wie Leiharbeit und befristete Verträge bedeuten für die Beschäftigten unsichere Lebenssituationen. Zudem führe Lohnarmut zu Altersarmut. Rudolph: „Wenn wir die Rente nicht armutssicher bekommen, werden auf die Allgemeinheit Riesenprobleme zukommen.“

Die Zahl der Niedrigverdienenden, deren Lohn die Existenz nicht sichert und deshalb mit Steuergeld aufgestockt werden muss, geht indes deutlich zurück.

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