Schuldneratlas

Jeder sechste Kasseler ist überschuldet - Nord-Holland besonders betroffen

+
Die gesamte Grafik können Sie via Medienzoom oben rechts öffnen.

Etwa jeder sechste Kasseler ist verschuldet. Das geht aus dem jüngsten Schuldneratlas hervor, den der Inkasso-Dienstleister Creditreform jetzt vorgestellt hat.

Demnach wurden im vergangenen Jahr 26 373 der 205 076 Einwohner (Stand 31. Dezember 2018) als überschuldet eingestuft. Das waren zwar 217 Personen weniger als 2017, doch mit einer Schuldnerquote von 15,7 Prozent liegt Kassel weiterhin deutlich über dem Bundes- und Landesdurchschnitt von 10,4 Prozent.

Damit belegt die Stadt Platz 18 der Städte mit den höchsten Schuldnerquoten. In Hessen sind die Werte nur in Wiesbaden und Offenbach schlechter. Der Landkreis Kassel schneidet mit einer Quote von 9,28 Prozent unter den Landkreisen am besten ab und liegt unter dem Bundesdurchschnitt.

Differenziert nach Stadtteilen zeigt sich in Kassel eine große Schere. In Nord-Holland stecken mit 4238 Menschen die meisten Menschen in der Schuldenfalle. Das entspricht einer Quote von 30,77 Prozent. Am Brasselsberg hingegen liegt sie mit 4,98 Prozent (177 Personen) am niedrigsten. Insgesamt weisen die östlicheren Stadtteile eine weitaus höhere Schuldnerquote auf als die Stadtteile im Westen.

Die Gründe dafür, dass Menschen in die Schuldenfalle geraten, sind laut Ulrike Codina Koch von der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werks Region Kassel, vielfältig. Dort werden vor allem Empfänger von Arbeitslosengeld II und Hartz IV beraten. „Aus unserer Perspektive spielen ein längerfristiges Niedrigeinkommen, ein geringerer Bildungsstand sowie Krankheit und Sucht oftmals eine Rolle“, sagt die Sozialpädagogin. Auch seien viele der Beratungssuchenden unsicher im Umgang mit Geld. „Oft führt Unkenntnis dazu, dass zum Beispiel Verträge abgeschlossen werden, ohne zu wissen, welche Kosten dadurch eigentlich entstehen und wie die Kündigungsbedingungen sind“, erläutert Codina Koch.

Ihrer Erfahrung nach kommen gerade auch junge Schuldner oft aus finanziell schwächeren Familienzusammenhängen. „Da ist dann keine Familie, die einspringen kann. Diese jungen Menschen haben oft keine Unterstützung und keine Kompetenzen im Umgang mit ihrer Situation“. Eines der Hauptprobleme sieht sie darin, dass Geringverdiener „zwischen den Systemen hin und her geschoben werden“. Vor allem im Niedriglohnsektor gäbe es große Schwankungen in Bezug auf die Höhe des Einkommens. „Mal bekommen die Betroffenen Hartz IV, mal haben sie einen Job, mal müssen sie aufstocken, mal sollen sie Wohngeld beantragen. Das bedeutet, dass sie permanent neue Anträge stellen müssen. Damit sind viele überfordert.“ Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werks bietet Betroffenen sowie sozialen Trägern kostenfreie Seminare, Workshops sowie Sprechstunden an. Dort werden unter anderem Hilfestellungen zur Haushalts- und Budgetplanung gegeben. Wichtig sei vor allem, dass Betroffene nicht zu lange warten, bis sie Beratung suchen, sagt Codina Koch. „Das Thema Schulden ist nach wie vor stark schambesetzt.“

Ausgabe sind höher als die Einnahmen

Laut Creditreform Kassel/Fulda gilt als überschuldet, wer die Summe seine fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann und dem zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Der Inkasso-Dienstleister bietet an, Schulklassen im Rahmen eines Informationstages mit dem Thema Finanzkompetenz und Überschuldung zu sensibilisieren und Hinweise für den eigenen Umgang mit Geld zu erarbeiten. Kontakt: l.hepting@kassel.creditreform.de

Service: Die Sprechstunde der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werks findet mittwochs von 13 bis 15 Uhr statt. Adresse: Hermannstr. 6, 34117 Kassel, Kontakt: Tel. 0561 7128813, E-Mail: schuldnerberatung@dw-region-kassel.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.