Viel Beachtung für Kasseler Modell

Klinik-Essen soll besser werden - Patienten oft mangelernährt

Kassel. Jeder vierte Patient, der in Krankenhäuser eingeliefert wird, weist Symptome von Mangelernährung auf. Das verzögert nicht nur die Genesung der Betroffenen, sondern belastet das Gesundheitssystem mindestens ebenso stark wie das verbreitete Übergewicht.

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Artikel über das Rot-Kreuz-Krankenhaus

Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser vom Kasseler Rot-Kreuz-Krankenhaus (RKH) beziffert allein die unmittelbaren Zusatzkosten auf jährlich neun Milliarden Euro. Bei Betroffenen - vor allem alte Menschen - gebe es mehr Komplikationen und Todesfälle, unabhängig vom Einlieferungsgrund müssten sie deutlich länger in den Kliniken bleiben.

Was der Experte schon seit längerem feststellt, veranlasst jetzt die Politik, Alarm zu schlagen: Die allgemeine Qualität des Klinik-Essens sei nicht geeignet, unter- und mangelernährte Patienten wieder zu Kräften kommen zu lassen, kritisiert die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Mindestens die Hälfte aller Klinik-Menüs werde nicht aufgegessen. Zusammen mit Ernährungsministerin Ilse Aigner hat die DGE jetzt Qualitätsvorgaben vorgestellt, die in allen Kliniken beachtet werden sollen.

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Am Rot-Kreuz-Krankenhaus (RKH) geht man mit dem „Kasseler Modell“ noch einen Schritt weiter: Sämtliche Patienten, die dort stationär aufgenommen werden, werden routinemäßig auf Symptome von Unter- oder Mangelernährung untersucht.

Dann bekommen sie gegebenenfalls zusätzliche Trinknahrung verordnet, oder ihr gewünschtes Menü wird mit Energiestoffen angereichert. Auch eine individuelle Ernährungsberatung ist Standard bei allen RKH-Patienten, die mit schlechter Ernährungskondition ins Krankenhaus gekommen sind.

In Fachkreisen hat dieses Modell viel Beachtung gefunden. Mangelernährung sei „eine ernstzunehmende Diagnose, die individuell behandelt werden muss“, sagt Löser, der die bislang weltgrößte Studie zur Ernährung stationärer Krankenhauspatienten verfasst hat.

Von Axel Schwarz

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