Gutachten soll zeigen, ob Insolvenz verschleppt wurde

Jens Rose im Visier der Staatsanwaltschaft

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Jens Rose

Kassel. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gegen den früheren KSV-Chef Jens Rose wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Das teilte sie auf HNA-Anfrage mit.

Rose war zeitweise Geschäftsführer einer Firma namens Infrabau GmbH, die beauftragt war, mit Entwicklungsgeld in Höhe von rund 12,5 Millionen Euro einen Hafen in der afrikanischen Republik Guinea umzubauen. Das Projekt scheiterte.

Die Staatsanwaltschaft erstellt gerade ein Wirtschaftsgutachten. Dabei muss geklärt werden, ob der Antrag auf Insolvenz rechtzeitig gestellt wurde. Wie das Ergebnis ausfalle, sei noch nicht abzusehen, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Rose war nach eigener Auskunft zunächst als einer von vier Gesellschaftern in die Firma Infrabau eingestiegen, die laut Handelsregister seit 2005 existiert. Die Firma erhielt in einer Ausschreibung den Zuschlag für das millionenschwere Projekt, das aus Mitteln des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wurde.

Laut BMZ handelt es sich dabei um den Ausbau des Hafens Conakry, der Hauptstadt Guineas. Ziel des Ausbaus war es, Außenhandelsbeziehungen zu verbessern und die Armut zu bekämpfen, teilte das BMZ mit. Die Hafenbehörde schrieb das Projekt als Auftraggeber aus. Im Oktober 2008 war Baubeginn in Guinea.

Drei Jahre später, im Juli 2011, meldete Rose für die Firma Insolvenz an. Der Bau wurde nie fertiggestellt.

Geschädigte, wie der Unternehmer Claudiu Ursache, erheben schwere Vorwürfe gegen Rose. Die Rede ist von nicht gezahlten Löhnen, persönlich zugesagter Bezahlung von Schulden und Beseitigung von wichtigen Unterlagen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Er habe noch Ansprüche von 167 000 Euro an Rose, sagte Ursache.

„Ich bin als Geschäftsführer eingesprungen“, sagte Rose. Der vorherige Geschäftsführer sei abgesprungen. „Warum, kann ich auch nicht mehr sagen“, sagte Rose. Letztlich habe er sich nur um die technische Umsetzung des Umbaus von Deutschland aus gekümmert, nicht aber um die Finanzen.

Aus seiner Sicht sind die Anschuldigungen des Unternehmers Ursache nicht gerechtfertigt. Die genannte Zahl sei nicht durch Rechnungen belegbar. „Wir sind als Gesellschafter die größten Geschädigten“, sagte Rose. Laut Rechnung des Insolvenzverwalters stünden ihnen noch vier Millionen zu.

Es sei ein Fehler gewesen, das Projekt zu übernehmen, sagte Rose. Die politische Lage sei unsicher gewesen. Insolvenz habe er anmelden müssen, weil kein Geld von der Hafenbehörde, also dem Auftraggeber, geflossen sei. Warum das nicht geschah, sei für ihn aufgrund des Wirrwarrs vor Ort auch nicht nachvollziehbar gewesen.

Von Max Holscher

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