Vorweihnachtszeit

Jetzt greifen Diebe auf Kasseler Bahnhöfen zu

Bekannter Trick: Die Bundespolizisten Benjamin Pezlar (links) und Michael Hanstein stellen mit der Bahnreisenden Birkhild Ammon-Renner aus Kassel eine Diebesmasche nach. Ein Täter verwickelt das Opfer in ein Gespräch, sein Komplize schlägt zu. Foto: Koch

Kassel. Die Vorweihnachtszeit ist Hochsaison für Taschendiebe. Deshalb wird die Zahl von 145 Diebstählen (2011: 140), die seit Anfang des Jahres auf dem Kasseler IC-Bahnhof und dem Hauptbahnhof verübt wurden, vermutlich nochmal deutlich steigen. Hinzu kommt die Dunkelziffer.

Die Bundespolizei informierte gestern Reisende auf dem IC-Bahnhof über die Gefahren und das Geschäft professioneller Banden. Renate Sittenauer, eine Seniorin im Pelzmantel, gehört zu den typischen Opfern. Deshalb wird sie von Bundespolizist Klaus Arend gestoppt. Wo sie ihre Wertsachen aufbewahre, will der Beamte wissen. „Alles sicher in meiner Reisetasche verstaut“, sagt die Dame, die zum Tegernsee will.

Das geht so schnell...

Arend redet ihr ins Gewissen: „Jemand rempelt Sie an oder verwickelt Sie in ein Gespräch und der Komplize schnappt sich hinter Ihrem Rücken die Tasche. Das geht so schnell, das glauben Sie gar nicht.“ Die Dame hängt an den Lippen des Uniformierten und gelobt, ihre Tasche im Auge zu behalten.

Der Blick der Polizisten fällt auf eine Südkoreanerin, die auf einer Bank im Bahnhof sitzt und in ihren Laptop versunken ist. Neben ihr steht ihre offene Handtasche. Arend und seine Kollegen machen der Frau deutlich, dass dies eine Einladung für Diebe ist.

30 Prozent unbemerkt

Diebe nutzen Unaufmerksamkeit aus: Bundespolizist Klaus Arend zeigt Renate Sittenauer und Günther Weißenborn, wie es geht.

„In 30 Prozent der Diebstähle in Kasseler Bahnhöfen werden Wertsachen aus Handtaschen und Rucksäcken gezogen, ohne dass es die Träger sofort merken“, sagt Arend. Noch häufiger (50 Prozent) sind nur Diebstähle von Koffern und Taschen, die Reisende kurz unbeaufsichtigt gelassen haben. Dies passiere auch häufig, wenn Fahrgäste in den Zügen einschlafen.

Besonders heikel sei zudem der Aus- und Einstieg am Gleis. Eine Masche von Diebesbanden sei es, künstlich Gedränge zu erzeugen und dann dem Opfer das Portemonnaie aus der Tasche zu ziehen. So war es gestern Morgen auch einer 65-jährigen Rentnerin aus Kassel ergangen, die nach Hamburg fahren wollte.

Arend erzählt, dass Diebe ihr Opfer erst eine Weile verfolgen, bevor sie zuschlagen. So lauerten sie etwa beim Bahnhofsbäcker und beobachteten, wo der Reisende seine Geldbörse verstaue und wieviel Beute zu machen ist.

Von Bastian Ludwig

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