Studios dürfen Geräte nicht nutzen

Nur noch Ärzte sollen Tattoos weglasern

Wenn es nicht mehr gefällt, wird es weggelasert: Ab sofort dürfen Geräte zum Entfernen von Tattoos nur noch in Begleitung eines approbierten Arztes verwendet werden.
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Wenn es nicht mehr gefällt, wird es weggelasert: Ab sofort dürfen Geräte zum Entfernen von Tattoos nur noch in Begleitung eines approbierten Arztes verwendet werden.

Wer sein Tattoo nicht mehr mag und es weglasern lassen will, der kann nicht mehr wie bisher einfach in ein Kosmetik- oder Tattoostudio gehen, sondern wird zunächst mit einem Arzt sprechen müssen.

Für kosmetische Eingriffe dieser Art greift jetzt die „Verordnung zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung am Menschen“. Sie betrifft neben der Entfernung von Tattoos etwa auch die Behandlung von Permanent-Makeup und Pigmentflecken und das Reduzieren von Fettgewebe mittels Strahlung. Bislang konnten diese Dinge auch in Tattoostudios und Schönheitssalons gemacht werden. Der Gesetzgeber fordert ab sofort die Betreuung eines solchen Eingriffs durch einen approbierten Arzt.

Helene Klein, Lasertherapeutin

Helene Klein ist Expertin für Lasertherapie und betreibt seit zweieinhalb Jahren „Endlich-ohne-Tattoostudios“ in Kassel und Paderborn. Das Entfernen von Tattoos und Permanent-Makeup mittels Laser sind ihr Geschäft. Das Paderborner Studio habe wegen des neuen Gesetzes schließen müssen, in Kassel habe sie sich zum 1. Januar mit der „Ästhetik Villa Kraft“, einer Praxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie zusammengeschlossen. Der Arzt sei damit in unmittelbarer Nähe, führe Vor- und Nachgespräche. „Aber ich bin die Expertin und mache die Behandlung.“

Helena Semke, Kosmetikmeisterin

Kosmetikmeisterin Helena Semke hingegen, die mit ihren beiden Töchtern das Harmonie Schönheits-Atelier an der Friedrich-Ebert-Straße betreibt, kann ihren Kunden diese Leistung ab sofort nicht mehr anbieten. „Das ist schade“, sagt Semke. Dass sich Kosmetikstudios künftig Ärzte hinzuholen müssen, hält sie für unrealistisch.

„Ärzte haben keine Zeit, sich mit solchen Dingen zu befassen.“ Aus Ihrer Sicht kämen vor allem Dermatologen in Frage – doch die hätten wohl genug zu tun mit Krankheiten. „Soll sich ein Gynäkologe oder ein Allgemeinmediziner jetzt dermatologische Kenntnisse aneignen, um Tattoos entfernen zu können?“ Auch Helene Klein sagt: „Viele Ärzte haben auf so eine Kooperation keine Lust.“

Semke hat ihr Laser-Gerät bereits verkauft – womit die Auswirkungen der NiSV auf ihre „Berufung“, wie sie ihre Arbeit nennt, jedoch nicht enden. Viel stärker noch trifft sie nämlich, dass für die Benutzung aller Geräte, die mit nichtionisierender Strahlung arbeiten, bis Ende des Jahres ein Fachkundenachweis nötig ist. „Für unser IPL-Gerät zur Haarentfernung muss nun jeder von uns zusätzlich zur kosmetischen Ausbildung 120 Stunden absolvieren, um es weiterhin nutzen zu können.“ Das koste mehrere tausend Euro.

Vor dem Hintergrund, dass ihr gesamter Betrieb auf apparativer Kosmetik basiert, kämen Unsummen auf sie zu. „Für jedes unserer Geräte fällt eine zertifizierte Ausbildung an.“ Zumal es derzeit überhaupt keine derartigen Schulungen gebe, die auch zertifiziert sind, wie es das Gesetz verlange. Natürlich brauche die Anwendung der Geräte eine Schulung, sagt Semke. „Und die Gefahr besteht natürlich, dass ein Kosmetikstudio mit billigen China-Geräten und ohne Kenntnisse Schäden anrichtet.“

Doch in den zehn Jahren, die sie mit apparativer Kosmetik arbeite, verfüge sie über die nötige Expertise. Aus ihrer Sicht ist es ein fataler wirtschaftlicher Einschnitt, der auf einem Trugschluss basiert: „Man muss kein Arzt sein, um etwas gut zu machen. Ich hatte auch schon Kunden mit Narben, die vom Arzt kamen.“

Narben, aber vor allem von Laserbehandlungen verbrannte Haut hat auch Helene Klein bereits zuhauf gesehen. „Es gab viele Studios, die nicht wussten, was sie tun und zudem mit minderwertigen Geräten arbeiteten.“ In dieser Hinsicht sei die neue Verordnung ein richtiger Schritt. (Anna Lischper)

Ziel: Verbraucher vor Strahlung schützen

Die „Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen“ (NiSV) regelt die nichtmedizinische Nutzung von Geräten, von denen nichtionisierende Strahlung ausgeht. Dazu gehören Laser, intensive Lichtquellen wie IPL-Geräte, aber auch Ultraschallanwendungen sowie solche mit Magnetfeldern und hochfrequenten elektromagnetischen Feldern. Die Nutzung dieser Geräte konnte bislang „von jeder Person ohne besondere Qualifikation angeboten werden“, heißt es aus dem RP Kassel. „Obwohl die damit verbundenen Gesundheitsrisiken für den Menschen erheblich sein können.“ Mit der Verordnung wolle man Verbraucher vor den schädlichen Wirkungen dieser Strahlung besser schützen.  

Prof. Ernst Magnus Noah, Facharzt für Chirurgie

Chirurg spricht von sinnvoller Schutzmaßnahme

Dass ab sofort ein Arzt in der Nähe sein muss, wird für viele Betriebe nicht durchführbar sein, sagt Prof. Ernst Magnus Noah, Praxis für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie.

Aber: „Die Verordnung ist eine sinnvolle Schutzmaßnahme für Patienten.“ Immerhin werde hier mit „wirklich verletzenden“ Lasern gearbeitet, wie zum Beispiel mit ablativen, die Haut abtragen. Selbst wenn ein Arzt für eine Kooperation gefunden wird, steht laut Noah die Frage im Raum, wie dieser vergütet werden soll. Leider führe die finanzielle Schwäche mancher Betriebe zur Anschaffung minderwertiger, nicht zertifizierter Geräte. Wolle man etwa ein tief gestochenes Tattoo entfernen, braucht es eine bestimmte Wellenlänge. Das kostet. „Da müssen Regularien hochgefahren werden“, stimmt Noah der neuen Verordnung zu. Er warnt aber auch vor der Methode, Tattoos mittels unterspritzter Säure entfernen zu lassen – leider eine gängige Alternative zur apparativen Entfernung.

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