Demo in Stuttgart gegen Schließungen

Job-Sorge bei Mercedes trifft auch Mitarbeiter in Kassel

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Protest: Gut 4000 Mitarbeiter von Mercedes-Benz waren gestern nach Stuttgart gefahren, um gegen den möglichen Verkauf von werkseigenen Autohäusern zu demonstrieren. Die Gruppe mit den blauen Transparenten stammt aus Kassel und Göttingen.

Kassel. In den bundesweit 33 Mercedes-Benz-Niederlassungen des Stuttgarter Daimler-Konzerns im Inland rumort es. Pläne des Managements, das Niederlassungsnetz mit derzeit 158 Standorten umzubauen, weckt unter den 15.000 Beschäftigten Sorge um deren Jobs.

Gut 4000 von ihnen, davon 150 aus der Niederlassung Kassel-Göttingen, demonstrierten gestern in Stuttgart gegen Schließung, Ausgliederung oder Verkauf von konzerneigenen Autohäusern.

Die Niederlassung Kassel beschäftigt 485 Mitarbeiter, davon gut 280 in Kassel und je 100 in Lohfelden (Lkw-Center) und Göttingen. Zur Vertriebseinheit gehört seit Jahresanfang auch der Standort Fulda mit etwa 220 Mitarbeitern. Gemeinsam verkaufen sie jährlich 2700 Neu- und 3400 Gebrauchtwagen, 1200 neue und 530 gebrauchte Transporter sowie 670 neue Lkw und bieten den gesamten Service an.

Hintergrund:

275 000 Mitarbeiter

Mercedes-Benz ist die Hauptmarke des Daimler-Konzerns. Er beschäftigt in weltweit 48 Werken und zahlreichen Niederlassungen fast 275 000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag 2013 bei 118 Milliarden Euro, der Gewinn bei 8,72 Mrd. Euro. Daimler stellt Pkw, Transporter, Lkw und Busse her. Das weltweit zentrale Lkw-Achsenwerk steht in Kassel. Dort arbeiten 3100 Menschen. Weitere Konzernmarken sind Smart, AMG Maybach, Detroit Diesel, Freightliner, und Mitsubishi-Fuso. (jop)

Ob Fulda unter den gegebenen Umständen in der Vertriebseinheit Kassel bleibt, ist nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden in Nordhessen, Frank Trampedach, unklar. „Es gibt noch nichts Konkretes, weder für uns noch für andere Standorte“, sagte er im Anschluss an die Protestkundgebung. Für ihn ist ein Verkauf von Niederlassungen grundsätzlich inakzeptabel. Aber falls es nicht zu verhindern sei, müssten die Mitarbeiter finanziell abgesichert werden, und auch für die neuen Kollegen müsse eine entsprechende Tarifregelung gefunden werden.

Das ist auch die Position des zuständigen IG-Metall-Sekretärs in der Region, Wolfgang Otto. Das Mindeste sei eine Übergangsregelung. Vorrangiges Ziel aber sei es, dass der Vertrieb in Gänze unter dem Dach von Daimler bleibe. Weitere Proteste wollte Otto nicht ausschließen.

Der Leiter des Niederlassungsverbunds Kassel-Göttingen-Fulda, Detlef Barthelmes, mochte sich nicht zu der Angelegenheit äußern. Daimler-Sprecherin Konstanze Fiola betonte, dass es eine Vereinbarung gebe, nach der bis Ende nächsten Jahres keine komplette Niederlassung verkauft werden dürfe, wohl aber einzelne Standtorte. Darüber hinaus gelte eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2017. Konkrete Verkaufsabsichten gebe es bislang nicht. Lediglich in zwei Fällen – in Ostwestfalen und im Bereich Weser-Ems – liefen Gespräche über eine Veräußerung.

Andreas Burkhart, Mitglied der Geschäftsführung von Mercedes-Benz-Vertrieb, bekannte sich zu dem eigenen Vertrieb, aber auch zur Aufgabe, „unsere Niederlassungen fit zu machen für die Zukunft und damit langfristig Arbeitsplätze zu sichern“. Hintergrund der neuen Niederlassungsstruktur ist die geplante Steigerung der Profitabilität bei Daimler. IG Metall und Beschäftigte befürchten Schließungen sowie eine Schlechterstellung der Beschäftigten beim Verkauf von Niederlassungen. Es ist nicht anzunehmen, dass die neuen Eigentümer die vergleichsweise hohen Daimler-Vergütungen auf Dauer weiterzahlen.

Von José Pinto

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