Amt nach nur elf Monaten aufgegeben

Jobcenter-Chefin wirft hin: Vorstellung entsprach nicht Realität

Kassel. Christel Högemann-Lohse will nicht länger das Jobcenter der Stadt Kassel führen. Ein Amt, das sie erst seit Februar 2014 innehatte.

In einer E-Mail hatte die 58-Jährige vor wenigen Tagen bereits ihre Mitarbeiter darüber informiert, dass sie ihren Job nicht länger ausfüllen wolle. Ihre Vorstellungen von der Führung des Jobcenters ließen sich nicht mit den Gegebenheiten in der Behörde vereinbaren, begründete sie ihren Schritt. Sie selbst wollte sich gegenüber der HNA nicht näher zu Hintergründen äußern.

Klar ist, dass die in der FDP engagierte Agrarwissenschaftlerin aus Söhrewald vor einem knappen Jahr in sehr große Fußstapfen getreten war. Mit ihrem Vorgänger Detlev Ruchhöft war ein ausgewiesener Experte in den Ruhestand getreten. Ruchhöft war nicht nur Geschäftsführer des Jobcenters, sondern auch 22 Jahre lang Leiter des Sozialamtes.

Aus der freien Wirtschaft

Sie will nicht mehr: Christel Högemann-Lohse hat ihr Ausscheiden als Leiterin des Jobcenters angekündigt. Foto: Schachtschneider/Archiv

Högemann-Lohse hatte ihre arbeitsmarktpolitischen Erfahrungen in ihrer 14-jährigen Tätigkeit für die Grone-Bildungszentren Hessen gesammelt. Dort war sie zuvor in leitender Funktion tätig.

Die Hoffnungen der Stadt Kassel und der Arbeitsagentur, die gemeinsam Träger des Jobcenters sind, waren zu Beginn groß: Die neue Frau an der Spitze solle ihre Erfahrungen aus der freien Wirtschaft „befruchtend in die Behördenstrukturen“ einbringen, hieß es damals. Offenbar war dies komplizierter, als zunächst gedacht.

Für Detlef Hesse, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Kassel, kam die E-Mail der Jobcenter-Chefin nicht ganz unvorbereitet. „Wir beobachten den Prozess schon länger und waren im permanenten Austausch mit Frau Högemann-Lohse“, sagt Hesse. Auf Nachfrage nach den Hintergründen bezieht sich Hesse auch nur auf die Äußerungen von Högemann-Lohse: „Ihre Vorstellungen von der Amtsführung konnte sie im Jobcenter nicht umsetzen“, sagte Hesse. Es handele sich um eine komplizierte Behörde mit zwei Trägern. Das Jobcenter kümmert sich um etwa 21 000 Hartz-IV-Empfänger in der Stadt.

Tatsächlich, so Hesse, sei Högemann-Lohse trotz ihrer schriftlichen Bekundung weiter im Amt. Zunächst müssten Vertreter von Stadt und Arbeitsagentur die Abberufung der Leiterin beschließen. Dies sei wegen der Feiertage noch nicht möglich gewesen. Erst anschließend könne die Stelle neu ausgeschrieben werden.

Bis es eine neue Leitung im Amt gibt, wird der Stellvertreter von Högemann-Lohse, Jan Rümenap, die Geschäfte führen. Die Arbeit des Jobcenters sei wegen der Personalie nicht gefährdet, versichert Hesse.

Von der Stadt Kassel gab es keine Stellungnahme zu dem Fall. Der zuständige Dezernent Jürgen Barthel ist noch im Urlaub.

Von Bastian Ludwig

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