Jobcenter kämpfen mit massiven Einschnitten - Individueller Förderbedarf oft hoch 

Kassel. Rückgang der Arbeitslosigkeit = Rückgang des Bedarfs an Förderinstrumenten? Diese Gleichung gehe im Bereich des Sozialgesetzbuchs II nicht auf, sagt Arbeitsagenturchef Detlef Hesse.

Die Arbeitslosenquote sei im Agenturbezirk Kassel in den vergangenen Jahren zwar deutlich gesunken auf derzeit 6,7 Prozent. Doch der Anteil der noch nicht vermittelten Langzeitarbeitslosen mit gleich mehreren Vermittlungshemmnissen und damit einem höheren individuellen Förderbedarf nehme zu.

Je geringer die Kürzung des Budgets für Eingliederungsprojekte, desto höher die Chance auf einen weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit - dieser Gleichung stimmt Hesse daher zu. Trotzdem sind er und Detlev Ruchhöft vom Jobcenter der Stadt Kassel zuversichtlich, für Langzeitarbeitslose weiterhin die passende Hilfestellung zu ermöglichen. „Wir haben für jeden ein Angebot“, sagt Ruchhöft.

Allerdings habe man wegen der millionenschweren Budgetkürzung in folgenden Bereichen Einschnitte machen müssen: • Arbeitsgelegenheiten (sogenannte Ein-Euro-Jobs), • außerbetriebliche Ausbildungen für unter 25-Jährige: statt 75 gibt es nur noch 50 Plätze, • integrationsorientierte Leistungen, berufliche Qualifizierung (z.B. Gabelstaplerschein, SAP-Schulung), • Eingliederungszuschüsse für Arbeitgeber, die einen ehemals Arbeitslosen einstellen, der noch Förderbedarf hat, • Gründungszuschuss für Existenzgründer.

Außerdem liefen die angebotenen Projekte künftig nicht mehr von vornherein zwölf, sondern sechs Monate. Bei den Kürzungen habe man darauf geachtet, „eher dort etwas wegzunehmen, wo Menschen es auch ohne Förderung in den Arbeitsmarkt schaffen“, sagt Ruchhöft. Vor allem bei Arbeitslosen unter 25 und bei Alleinerziehenden werde man auch künftig einen Förderschwerpunkt setzen. Auch Menschen, die eine Tagesstruktur bräuchten, etwa Suchtkranke, seien eine Zielgruppe, die man nicht vernachlässigen werde.

Trotz der um fast 30 Prozent gesunkenen und im nächsten Jahr weiter sinkenden finanziellen Ausstattung seien die Anforderungen an die Jobcenter erhöht worden, sagte Geschäftsführer Ruchhöft. Denn gleichzeitig habe man die Vorgabe, die Vermittlungsquote um fünf Prozentpunkte zu steigern.

Von Katja Rudolph

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