Kasseler Jobcenter musste Personal abbauen

Weniger Hartz IV: "Der Fluch der guten Tat"

Detlev Ruchhöft

Kassel . Für Detlev Ruchhöft , den Leiter des Kasseler Jobcenters, ist die Hartz-Gesetzgebung eine Erfolgsgeschichte. Eine der großen Leistungen sei das Aufbrechen der Doppelstrukturen von Arbeitslosen- und Sozialhilfe gewesen.

Arbeitsamt und Sozialamt hätten seinerzeit ihr eigenes Süppchen gekocht. „Nun kommt die Hilfe aus einer Hand“, sagt Ruchhöft. Das Prinzip Fördern und Fordern habe sich trotz der häufigen Kritik daran bewährt – die Kasseler Entwicklung ist ihm dafür ein Beweis.

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Oberstes Ziel sei es, die Menschen in Arbeit zu bringen. „Dazu zähle ich auch Teilzeitstellen, Zeitarbeit und 400-Euro-Jobs. Denn all das ist besser als Leistungsbezug“, sagt Ruchhöft. Besonderes Augenmerk gelte den Langzeitarbeitslosen – ihr Anteil habe seit 2005 fast halbiert werden können. Als langzeitarbeitslos gilt, wer seit mehr als 18 Monaten ohne Arbeit ist. Allein in den vergangenen drei Jahren konnte ihre Zahl von 12.700 auf 9700 reduziert werden.

„Flughafen ist tolles Beispiel“

Für Ruchhöft hat die verstärkte Vermittlung von Langzeitarbeitslosen auch mit der neuen Strategie zu tun: „Früher wurden Arbeitslose auf Vorrat aus- und fortgebildet. Diese Zeit ist vorbei. Wir schauen auf den Markt und treffen Absprachen mit Unternehmen.“ Ein „tolles Beispiel“ sei der Flughafen Kassel-Calden, dessen Personalbedarf allein mit Jobsuchenden aus der Region gedeckt worden sei. Diese würden nun als Sicherheitspersonal und in der Gepäckabfertigung arbeiten.

Mit dem Rückgang der Hartz-IV-Bezieher steht dem Jobcenter inzwischen auch weniger Geld vom Bund für die Wiedereingliederung von Arbeitslosen zur Verfügung. 2005 waren es mal 33 Millionen Euro jährlich, heute sind es noch zwölf Millionen Euro . Auch wurde das Personal im Jobcenter reduziert von einst 300 Mitarbeitern auf 273. „Das ist der Fluch der guten Tat“, sagt Ruchhöft.

Neben der Vermittlung auf offene Stellen entlässt das Jobcenter auch immer mehr Arbeitslose in die Selbstständigkeit. Dafür wurde das Existenzförderungsprojekt Proges (Pro gründen - erhalten - sichern) ins Leben gerufen. Seit 2005 wurden so über 1900 Existenzgründungen angeschoben. Etwa 84 Prozent der Firmen existieren nach Angaben des Jobcenters bis heute. So hätten über die acht Jahre hinweg 21,5 Mio. Euro an Leistungen eingespart werden können.

Durch die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt waren die Einsparungen insgesamt noch weitaus höher: So werden im Vergleich zum Jahr 2006 inzwischen jährlich 35 Mio. Euro weniger an Leistungen ausgezahlt.

Von Bastian Ludwig

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