Jobsuche: Heftige Kritik an privaten Vermittlern

Kassel. Neben der Bundesagentur für Arbeit gibt es in Kassel 30 private Arbeitsvermittler, die Arbeitslosen neue Jobs versprechen. Bei Erfolg erhalten sie bis zu 2000 Euro von der Bundesagentur (BA).

Für ihre Dienste benötigen die Anbieter bisher keine Qualifizierung. In der Kritik stehen sie zudem, weil ihre Erfolgsquote gering ist und die vermittelten Stellen häufig auf wenige Monate befristet sind. 2011 zählten BA sowie die Jobcenter in Stadt und Landkreis Kassel 167 Vermittlungen durch private Anbieter.

Angela Köth, Sprecherin der BA-Regionaldirektion Hessen, spricht von einem „ geringen Einfluss“ der privaten Anbieter auf die Erwerbstätigenzahl: Im Bezirk der Arbeitsagentur Kassel seien 2011 insgesamt 21.000 Arbeitslose in Beschäftigung gekommen.

Wer als Arbeitsvermittler tätig sein möchte, braucht nur eine Gewerbeanmeldung. Erst ab 2013 ist eine Zertifizierung nötig. Seine Leistung rechnet der Vermittler mit der BA ab. Dies läuft über Vermittlungsgutscheine, die von der BA an Arbeitslose ausgestellt werden. Eine erste Rate von 1000 Euro erhält der Vermittler, wenn sein Kunde sechs Wochen in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis (min. 15 Stunden Wochenarbeitszeit) ist. Die zweite Rate ist nach sechs Monaten fällig.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert, dass die Hälfte aller von Privat-Vermittlern besetzten Stellen nach spätestens sechs Monaten ausläuft. Jede vierte sei in der Leiharbeit. „Die dort angebotenen Arbeitsverhältnisse sind schlecht“, sagt Frank Hermann, Geschäftsführer des DGB Hessen-Thüringen.

Weil sich viele Vermittler nicht allein durch die Gutscheine der BA finanzieren können, bieten sie weitere Dienstleistungen an. Fragwürdig ist das Angebot einer Kasseler Firma, die Bewerbungsunterlagen erstellt. Für 25 Euro bekam eine Kundin dort Anschreiben und Lebenslauf mit über 30 Rechtschreib- und Stilfehlern. (bal)

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