Tag der Organspende

Jochen Meyl aus Kassel lebt seit 17 Jahren mit einer Spenderniere

Er ist lebensfroher und glücklicher denn je: Jochen Meyl hat von seinem Vater eine Spenderniere bekommen. Heute führt er ein normales Leben mit seiner Familie und mit seinen Töchtern Maya und Lilli (von links) sowie Hündin Melli im Garten. Foto: Fischer

Kassel. Er hatte gerade sein Studium in Maschinenbau abgeschlossen und einen Job bei Volkswagen angenommen – da kam die Diagnose, die ihn mit 30 Jahren aus der Lebensbahn warf: Jochen Meyl brauchte eine neue Niere.

Plötzlich lagen seine Träume in Trümmern. „An spontane Ausflüge und Urlaub war nicht gar nicht erst zu denken“, sagt der Kasseler. Ein normales Leben schien nicht mehr möglich. Er litt an einer Autoimmunerkrankung, bei der die Nierenfunktion sich immer weiter verschlechterte. „Dreimal die Woche musste ich fünf Stunden zur Dialyse.“ Bei dieser Blutwäsche werden giftige Stoffwechselprodukte aus dem Blut gefiltert, eine Aufgabe, die normalerweise gesunde Nieren erfüllen.

Weil es ihm auch unter der Therapie schlecht ging, ließen sich seine Eltern und Geschwister untersuchen, bis klar war: Die Niere seines Vaters ist geeignet. Doch die Entscheidung, diese Lebendspende anzunehmen, fiel Jochen Meyl besonders schwer. Er hatte Angst, dass seinem Vater etwas passiert. „Wir fragten uns, was wäre, wenn es schief geht?“, erinnert sich Jochen Meyl. Trotzdem mussten sie sich entscheiden: „Wir machen das jetzt.“

Nach intensiven Untersuchungen wurde Vater Klaus die Niere am 2. April 1998 entnommen. Unmittelbar danach folgte die Operation für Jochen Meyl. Es brauchte etwa sechs Wochen, bis sich sein Körper an das fremde Organ gewöhnte. Sein Immunsystem sah die gespendete Niere zunächst als Fremdkörper und hetzte es gegen das neue Organ auf, beschreibt er seinen damaligen Zustand. Gegen den Angriff auf die fremde Niere helfen Meyl bis heute Immunpräparate. Das sei nicht weiter schlimm. „Ich rede mit meinem Körper, dass das nötig ist. Dann sind die Nebenwirkungen gering“.

„Ich feiere meinen Geburtstag immer zweimal im Jahr“, sagt der 49-Jährige dankbar dafür, dass ihm sein Vater ein neues Leben schenkte. Er sitzt am Küchentisch seines Hauses und spricht über die Liebe zu seiner Familie und und die Freude an seinem Job.

Bis heute arbeitet Jochen Meyl bei Volkswagen als Maschinenbauingenieur. Wenn er nach Hause kommt, wirbeln seine beiden Töchter Lilli (3) und Maya (6) im Haus herum, Hündin Melli tobt im großen Garten. Seine Frau Tanja lacht herzlich. „Ich bin deutlich glücklicher als vorher“, sagt Meyl.

Mittlerweile hat er selbst einen Organspendeausweis. Er würde sich wünschen, dass sich jeder mit dem schwierigen Thema auseinandersetzt. „Es kostet Überwindung, an den eigenen Tod zu denken.“ Doch hinterbliebene Angehörige seien im härtesten Fall mit der Situation erst recht überfordert. Dann sei eine klare Entscheidung noch schwieriger. Ein Organspendeausweis sei in einer solchen Situation eine große Hilfe.

Archivvideo: So funktioniert eine Nierentransplantation

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