Heute ist Welttag des Stotterns

Jonas macht anderen Mut: 17-Jähriger erzählt, wie er aufhörte zu stottern

Stottert seit vielen Jahren nicht mehr: Jonas Janka aus Kassel kann dank einer speziellen Therapie wieder flüssig sprechen. Foto: Schwekendiek

Kassel. Bis zum Alter von sieben Jahren hat Jonas Janka keinen einzigen flüssigen Satz gesprochen. „Jedes Wort war eine Qual“, erinnert sich seine Mutter Simone. Jonas stotterte – und hörte irgendwann ganz auf zu reden. Seine Eltern versuchten mehrere Therapien, alle scheiterten. Frustration machte sich breit.

Er selbst könne sich daran nur noch dunkel erinnern, sagt Jonas heute – zehn Jahre später – in völlig klaren Sätzen.

800.000 Betroffene

Etwa 800.000 Stotterer leben in Deutschland. Zum Welttag des Stotterns am heutigen Mittwoch möchte der 17-jährige Kasseler diesen Betroffenen Mut machen. Als letzten Therapieversuch überredete seine Mutter ihn damals, die Del-Ferro-Methode auszuprobieren – eine Atemtechnik, mit der Betroffene lernen, ihr Zwerchfell zu kontrollieren. Gleich beim ersten Versuch konnte Jonas flüssig reden, zum ersten Mal in seinem Leben.

„Von da an war er unglaublich motiviert“, berichtet Simone Janka. In einem zehntägigen Intensivkurs hat der damals Siebenjährige die Methode erlernt und eineinhalb Jahre kontinuierlich angewendet. „Man braucht sehr viel Durchhaltevermögen“, sagt Jonas, als wäre es das Einfachste auf der Welt. Ohne die ständige Konzentration auf die Technik gebe es keinen Erfolg.

„Irgendwann vergisst man die Technik dann, weil man sie automatisch anwendet“, erklärt er. Doch bis dahin war es ein weiter und steiniger Weg. Tägliche Atemübungen, ständige Konzentration beim Sprechen, Nachsorgetermine. Jonas hat durchgehalten und nie wieder gestottert – dank seines eisernen Willens.

Kontakt

Del-Ferro-Institut Deutschland, Tel. 0 23 74 /50 61 56, E-Mail: info@delferro.de, www.delferro.de

Sofern ihm die Schule Zeit dafür lässt, fährt er regelmäßig zu Kursen des Del-Ferro-Instituts nach Olsberg, Iserlohn und Amsterdam, um den Teilnehmern zu helfen. Nicht alle schaffen die intensive Therapie, die deshalb von einigen Logopäden kritisch gesehen wird. Für Jonas jedoch war die Methode vor zehn Jahren ein Glücksgriff.

Seit den Sommerferien besucht der 17-Jährige die zwölfte Klasse der Elisabeth-Knipping-Schule. Dort will er Abitur machen und anschließend Bionik studieren. „Wenn ich weiter gestottert hätte, wäre das kaum möglich gewesen“, ist er sich bewusst. In seiner Freizeit moderiert er sogar bei einem Internet-Radio – als Stotterer undenkbar.

Von Julia Schwekendiek

Mehr zum Thema lesen Sie am Mittwoch in der gedruckten Ausgabe.

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