Aufbau ist logistische Herausforderung

Jordaens-Ausstellung im Fridericianum

Barock im Fridericianum: Dr. Joost vander Auwer (links) und Dr. Justus Lange mit Jordaens-Gemälde. Foto: Koch

Kassel. Äußerlich liegt das Fridericianum still und grau da, kein Vergleich zum Tohuwabohu zu documenta-Zeiten. Doch im Inneren herrscht wieder Gewusel, wird auf Hochtouren gearbeitet. Die Jordaens-Ausstellung wird vorbereitet.

Hier werden unter hellem Licht Gemälde genauestens in Augenschein genommen, woanders haben sie bereits ihren Platz an bunt bemalten Wänden gefunden. In einer Ecke steht eine Galerie Farbeimer. Überall warten riesige leere Kisten aus Holz darauf, verstaut zu werden.

In einem Pausenraum sitzt Dr. Justus Lange beim Kaffee und sagt ruhig: „Eine gewisse Gelassenheit muss man an den Tag legen. Darin üben wir uns.“ Die Landesausstellung „Jordaens und die Antike“, die am 28. Februar feierlich eröffnet wird, ist auch eine gigantische logistische Herausforderung.

„Eine gute Vorbereitung macht den Unterschied“, sagt Dr. Joost vander Auwer, Chefkurator für die Alten Meister in den Königlichen Museen Belgiens. In Brüssel war die Jordaens-Ausstellung bereits zu sehen. Sternförmig waren die 100 Werke von 40 Leihgebern dorthin gebracht worden, aus Brüssel kamen sie in vier Transporten nach Kassel.

„Eine ideale Partnerschaft“, sagt Lange. Die für die Kasseler einen praktischen Vorteil hat: Der Katalog war bereits zur Brüsseler Eröffnung im Herbst fertig: „Die Arbeit fällt natürlich trotzdem an, man muss sie nur zeitlich nach vorn ziehen.“

Viel zu tun ist allemal. Es galt Leihgeber zu überzeugen, mitunter durch persönliche Besuche, es mussten Leihverträge und Versicherungen abgeschlossen, Transporte ausgeschrieben werden. Eine Handvoll Speditionen habe Erfahrungen mit so wertvollen Gemälden, sagt Lange: „Ein hochspezialisierter Bereich.“ Die Bilder wurden - teils in Spezialfolie sowie Styropor eingeschlagen - in Klimakisten verpackt: „Empfindlicher als Leinwand sind Holztafeln“, sagt Lange. Die meisten Kuriere werden durch eigene Mitarbeiter begleitet („das machen wir auch so“), einige Leihgeber bestehen auf Polizei-Eskorten.

Bilder müssen sich an das Raumklima gewöhnen

Nach der Ankunft ruhen die Kisten 24 Stunden, damit sich die Bilder an das Raumklima gewöhnen. Dann werden die Gemälde durch die Restauratoren der Museumslandschaft Hessen Kassel begutachtet. Jeder Schritt wird exakt protokolliert, um mögliche Beschädigungen etwa durch Erschütterungen genau zuzuordnen.

Trotz aller Planung: „Am Ende staut es sich immer“ - weil plötzlich ein Gemälde so riesig ist, dass es trotz aller Berechnungen nicht durch die Türen passt und mit dem Kran durchs Fenster ins Fridericianum gehoben werden muss, oder weil vier Männer einen Tag lang mit der Platzierung eines tonnenschweren antiken Sarkophags beschäftigt sind. Zwei Gobelins werden noch erwartet, im Erdgeschoss muss zeitgenössische Malerei gehängt werden. „In Wilhelmshöhe hätten wir das Obergeschoss räumen müssen“, macht Lange die Größenordnung klar. Unvorstellbar jedoch, dass Rembrandts im Depot landen.

Jordaens-Ausstellung im Fridericianum

Aber selbst das Fridericianum stößt an Grenzen. Immerhin gibt es Platz, die Kisten zu verstauen. Die werden ja noch für den Abtransport gebraucht.

Ausstellung beginnt am 1. März

Die Ausstellung „Jordaens und die Antike / Jordaens und die Moderne“ im Fridericianum öffnet am Freitag, 1. März, für das Publikum. Bis zum 16. Juni ist sie Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen (10 bis 17 Uhr, Do bis 20 Uhr) zu sehen. www.museum-kassel.de Besucherinformationen: Tel. 0561/ 31680-123, besucherdienst@museum-kassel.de

Im City-Point ...

... gibt es ab Montag einen Vorgeschmack auf Jordaens. Bis zum 28.2. zeigt die MHK 25 Abbildungen von Werken des Malers. Studenten der Schauspielschule Kassel spielen mit „lebenden Bildern“ Jordaens-Werke nach. Die Aufführungen finden am Samstag, 23.2., ab 14.30 Uhr jede halbe Stunde statt. Führungen: Freitag, 22.2., und Samstag, 23.2., jeweils 14, 15 und 16 Uhr.

Von Mark-Christian von Busse

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