Drei Männer aus Albanien sollen gemeinsam Drogen aus dem Ausland nach Deutschland gebracht haben

Der Jüngste nimmt alle Schuld auf sich

Kassel. Der jüngste der drei Angeklagten nimmt die Schuld auf sich: „Ich hatte keine Hilfe nötig, um mit Drogen handeln zu können.“ Der 20-Jährige ist einer der drei Männer, die sich seit Dienstag vor dem Landgericht verantworten müssen. Bandenmäßige Einfuhr und Handel mit Drogen wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor.

In einer Wohnung an der Schäfergasse, die als „Bunker“ gedient haben soll, fand die Polizei Mitte Januar über 17 Kilogramm Marihuana und 18 Gramm Kokain. Der Stoff soll aus dem Ausland, unter anderem aus Italien, nach Deutschland gelangt sein. Der 36-jährige Mitangeklagte soll bei der Vermittlung der Geschäfte geholfen haben, der 49-jährige Vater des 20-Jährigen soll beim Abpacken und Verteilen der Drogen und beim Überweisen des Geldes an die Lieferanten mitgewirkt haben.

„Alles selbst gemacht“

Der 20-Jährige beteuerte gestern jedoch mehrfach: „Was in der Anklage steht, ist richtig, doch ich habe alles selbst gemacht.“ 2010 sei er nach Kassel gekommen, zuvor habe er versucht, in Italien sein Glück zu machen. Er habe nicht nur mit Drogen gehandelt, sondern auch selbst konsumiert. Seit er 15 sei, nehme er Kokain. In den Wochen vor seiner Festnahme „habe ich fast jeden Tag etwas genommen“, parallel zum Kokain auch Marihuana, um „wieder runterzukommen“.

Kurz vor seiner Festnahme habe er eine neue Lieferung aus Italien nach Kassel gebracht. Die anderen beiden Angeklagten hätten davon nichts gewusst. Sein Vater sei lediglich zu einem Besuch in Kassel gewesen, ihm habe er das Auto schenken wollen, mit dem er die Tour nach Italien unternommen hatte. Weitere Angaben macht der 20-Jährige gestern nicht. Folgt man seinem Geständnis, dann stand er auch während der Taten, die die Anklage auflistet, unter Drogen. Nach seinen Angaben ist er derart umnebelt sogar Auto gefahren. Die 6. Strafkammer entschied deshalb gestern kurzfristig, dass eine psychiatrische Begutachtung dieses Angeklagten nötig ist. Sollte seine Darstellung zutreffen, muss das Gericht am Ende auch über die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt befinden.

Sein Vater bestätigte die Version des 20-Jährigen. „Ich bin nach Deutschland gekommen, um meinen Sohn zu sehen, mit den Drogengeschäften habe ich nichts zu tun.“ In der Wohnung an der Schäfergasse sei er mit seinem Sohn zunächst allein gewesen, dann seien der 36-jährige Angeklagte und ein weiterer Mann aufgetaucht. Der 36-Jährige schwieg am ersten Prozesstag, er ließ über seinen Anwalt Marcus Mauermann erklären, dass er mit den Taten nichts zu tun habe und zunächst keine weiteren Angaben machen wolle.

Am 14. August geht der Prozess weiter. (pas)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.