Der langjährige nordhessische GdP-Vorsitzende Volker Zeidler wird in den Ruhestand verabschiedet

Er war der jüngste Schutzmann

Freut sich auf den Ruhestand: Volker Zeidler wird morgen 60 Jahren alt und nach über 40 Dienstjahren bei der Polizei verabschiedet. Foto:  Malmus

Kassel. „Aber ich bitt’ Sie, was Sie hier sehen, ist doch nicht die hessische Polizei. Das sind ein paar Krawallmacher.“ Dieser Satz, den der damalige Innenminister Volker Bouffier bei einer Demonstration der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Jahr 2007 in Baunatal über seine eigenen Polizeibeamten sagte, hat Volker Zeidler tief getroffen.

„Der ist mit uns umgegangen, als wären wir der autonome Block bei einer Demo“, sagt Zeidler, jahrelanger Vorsitzender der GdP, Bezirksgruppe Nordhessen. Am morgigen Freitag wird der Erste Polizeihauptkommissar 60 und in den Ruhestand verabschiedet.

Zeidler war 19 Jahre und zehn Monate alt, als er 1972 vereidigt wurde. „Ich war der jüngste Schutzmann Kassels.“ Er war in Wolfsanger aufgewachsen und hatte die Albert-Schweitzer-Schule besucht, diese aber noch vor dem Abitur geschmissen. Zum Ärger seines Vaters, mit dem er die typischen Generationenkonflikte austrug. Sein Vater war ein Heimatvertriebener und Franz-Josef-Strauß-Fan. Volker Zeidler dachte hingegen wie seine sozialdemokratischen Großeltern. Doch hielt ihn dies nicht davon ab, zur Polizei zu gehen. „Das war für mich das Größte. Damals wollte ich Polizeiinspektor werden.“

Zeidler heiratete jung und bekam zwei Söhne, die heute 41 und 30 Jahre alt sind. Mit der Karriere ging es bergauf: Nachdem er im Revier am Königstor zwei Jahre Schutzmann gewesen war, machte er die Ausbildung zum gehobenen Dienst. Er wurde Dienstgruppenleiter und 1988 Polizeiführer vom Dienst in der Einsatzzentrale. Wegen gesundheitlicher Probleme schied er Anfang der 90er-Jahre aus dem Schichtdienst aus und wurde Leiter der Kfz-Technik.

„Man darf sich nur nicht zu schade sein, im Dreck zu wühlen.“

Volker Zeidler

In dieser Zeit trat er in die SPD ein und befasste sich auch erstmals mit gewerkschaftlicher Arbeit. Zeidler war der Ansicht, dass der gehobene Dienst von der GdP im Stich gelassen wird, und organisierte einen innergewerkschaftlichen Protest. Er hatte die Wahl: Entweder die GdP zu bekämpfen oder mitzuarbeiten. Er entschied sich für Letzteres. Zeidler wurde in den Personalrat gewählt, 1996 wurde er dafür freigestellt und mit der Polizeireform im Jahr 2001 Vorsitzender der GdP in Nordhessen.

Zeidler ist einer, der klare Worte spricht und keine Auseinandersetzung scheut. Er hat sich mit dem früheren Polizeipräsidenten Wilfried Henning wegen Interviews in Uniform vor Gericht gestritten. Vier Disziplinarverfahren wurden gegen den Gewerkschafter eingeleitet. „Da ist man auch ein Stück stolz drauf.“

Bei über 40 Jahren Polizeiarbeit, da „bleiben auch einige Sachen in den Klamotten hängen“. Polizist würde er dennoch immer wieder werden. „Man darf sich nur nicht zu schade sein, im Dreck zu wühlen. Oft sieht man Not, die andere nicht sehen oder nicht sehen wollen.“

Zeidler, der zum zweiten Mal verheiratet ist, will sich in seinem Ruhestand verstärkt um seine zwei Enkel und seinen neuen Collie kümmern.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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