Jedoch steigende Zahlen im Landkreis

Jugendamt holt weniger Kinder aus Familien - Kassel trotzt Bundestrend

Kassel. Entgegen den Trends auf Bundes- und Landesebene muss das Jugendamt der Stadt Kassel weniger eingreifen, um Kinder zu schützen. Im vorigen Jahr wurden 31 Kinder aus ihren Familien in Obhut genommen. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2007 waren es mit 66 noch mehr als doppelt so viele.

Insgesamt wurden im vorigen Jahr 1057 so genannte Hilfen zur Erziehung in ambulanten und stationären Einrichtungen geleistet, 2008 lag der Rekord bei 1405.

„Die Zahlen stabilisieren sich auf einem relativ hohen Niveau“, sagte Jugenddezerntin Anne Janz (Grüne). Dass die Entwicklung nicht so prekär ist wie andernorts führt sie auf den vorbeugenden Ansatz in der Stadt und die gute Vernetzung aller Beteiligten zurück. „Unsere Frühwarnsysteme greifen“, so Jugendamtsleiterin Judith Osterbrink.

Entgegengesetzt ist die Entwicklung im Kreis Kassel, wo im vorigen Jahr 100 Kinder in Obhut genommen wurden, elf mehr (zwölf Prozent) als im Jahr 2012. Die Hilfen zur Erziehung stiegen im selben Zeitraum, von 1039 auf 1063. „Die Probleme im Jugendbereich von Städten und ländlich geprägten Räumen gleichen sich an“, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn.

Obwohl die Zahlen sinken, muss die Stadt mehr Geld für Hilfen zur Erziehung aufwenden. 2013 waren es 29,2 Millionen Euro, ein Jahr zuvor knapp 28 Millionen Euro. Grund dafür seien nicht nur Tariferhöhungen beim Personal. Laut Osterbrink würden „krasse Fälle immer krasser“, was mehr Aufwand bedeute.

Der tragische Fall des kleinen Marcel „war Auslöser genauer hinzugucken“, so Janz. Im Jahr 2006 war der zweijährige Marcel von seinem Stiefvater im Kasseler Stadtteil Rothenditmold so stark geschüttelt worden, dass er starb.

Danach seien alle Abläufe überprüft worden. Inzwischen gehe das Jugendamt mit mehr Personal nach Besonderheiten in den Stadtteilen vor und biete Familien passgenaue Hilfen an. Zudem würden Mitarbeiter stetig weiterqualifiziert.

Von Claas Michaelis

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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