Einrichtung an Treppenstraße kämpft nach Streichung städtischer Zuschüsse um Bestand - Spenden nötig

Das Jugendcafé steht auf dem Spiel

Zukunft des Jugendcafés ungewiss: Weil die Stadt ihren Zuschuss von 20 000 Euro gestrichen hat, ist der Betrieb nur bis Ostern gesichert. Unser Bild zeigt Sarah Adiegwu (links) und Thimo Gerth beim Kickern. Ulrike Wallbaum, Leiterin des Jugendcafés, schaut ihnen dabei zu. Foto: Malmus

Kassel. Am Billardtisch versenken Leo (12) und Athavan (13) klackernd die Kugeln. Daneben versuchen Sarah (16) und Thimo (17) beim Kickern, den Ball ins gegnerische Tor zu bugsieren. Im hinteren Bereich des Jugendcafés lümmeln sich einige Schüler auf dem Sofa herum, andere surfen an einem der Computer bei Facebook. Die trubelige und zugleich gelassene Atmosphäre lässt nicht erahnen, dass die Einrichtung an der Treppenstraße vor dem Aus steht.

Weil die Stadt Kassel ihren jährlichen Zuschuss für das Jugendcafé gestrichen hat, ist die weitere Finanzierung ungewiss. Vorerst ist der Betrieb dank Spenden in Höhe von 4500 Euro nur bis Ostern gesichert (wir berichteten). Die Trägergemeinschaft von evangelischer und katholischer Kirche, CVJM und dem Kasseler Jugendring will nun alles daransetzen, dass es auch darüber hinaus weitergeht. Um weiter planen zu können, wären allerdings Spenden in Höhe von etwa 20 000 Euro nötig. Diese Summe hatte die Stadt bisher beigesteuert. Sie steckt das Geld ab diesem Jahr aber in ein neues Mädchenzentrum.

Das Jugendcafé (Juca) sei nicht nur der einzige nicht-kommerzielle Treffpunkt für Jugendliche in der Innenstadt, sagt Stadtjugendpfarrerin Uta Feußner. Es handele sich zudem um ein niederschwelliges Angebot, mit dem man auch Jugendliche erreiche, die aus problematischen Familienverhältnissen kämen und sich sich sonst viel auf der Straße aufhielten.

Das Café hat dreimal in der Woche geöffnet, meist kommen über den Nachmittag verteilt etwa 20 Jugendliche, übrigens überwiegend Jungen. Viele haben ausländische Wurzeln. Sie können Dart, Billard oder Kicker spielen und am Computer arbeiten oder surfen. Getränke (nur nichtalkoholisch) und Snacks gibt es zum Selbstkostenpreis, Wasser und Saft sind gratis.

Wenn die Tür aufgeht, begrüßt Juca-Leiterin Ulrike Wallbaum viele der Gäste mit Namen. Zu den regelmäßigen Besuchern hat sie ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. „Viele kommen auch mit ihren Sorgen zu mir“, sagt die 51-jährige Diakonin. Sie sieht der drohenden Schließung mit Bauchweh entgegen. Wohin sollen die Jugendlichen dann gehen?

Falls das Juca nicht gerettet werden kann, wollen die Träger wenigstens einmal pro Woche mit dem „B-Weg-Punkt“-Bus der evangelischen Kirche am Florentiner Platz den Jugendlichen weiter einen Anlaufpunkt geben. Das Jugendcafé, Treppenstr. 9, hat dienstags bis donnerstags von 13.30 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Katja Rudolph

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