Schüler diskutierten bei der Jugendzukunftskonferenz über gesellschaftliche Verantwortung

100 Jugendliche, 1000 Fragen

Aufgeweckte Schüler: Die 19-jährigen Leon Albrecht und Maria Köhler gehörten zum Organisationsteam der Jugendzukunftskonferenz. Beide hatten das Thema Integration vorbereitet. Foto: Schaffner

Kassel. Wie krank ist unser Gesundheitssystem? Wann sind Zugewanderte in Deutschland integriert? Und was ist eigentlich Verantwortung? Diesen und anderen Fragen sind die Teilnehmer der elften Jugendzukunftskonferenz (JZK) der Kasseler Jacob-Grimm-Schule (JGS) im Industriedenkmal Salzmann nachgegangen.

Zusammen mit Experten diskutierten mehr als 100 aufgeweckte Jugendliche aus ganz Kassel einen Tag lang in Workshops über das deutsche Gesundheitssystem, Integration und Verantwortung. Etwa 20 JGS-Oberstufenschüler hatten den Konferenztag 2010, der unter dem gewollt mehrdeutigen Motto „Organversagen“ stand, in monatelanger Arbeit vorbereitet.

Zum Organisationsteam gehörten auch Leon Albrecht und Maria Köhler. Die beiden 19-Jährigen hatten sich das Thema Integration ausgesucht. „Wir haben uns gefragt, welche Organe bei der Integration versagen“, sagt Leon Albrecht aus der Jahrgangsstufe 12. Der Schüler deutsch-argentinischer Herkunft ist erst seit fünf Jahren in Deutschland. Zuvor lebte Leon in Indonesien, Kenia und Paraguay - und weiß somit aus Erfahrung, was Integration bedeutet. „Am Anfang des Schuljahres haben wir uns zusammengesetzt und Themen diskutiert“, sagt Maria, die die Jahrgangsstufe 13 besucht und mitten im Abiturstress steckt.

Diskussion mit KSV-Spieler

Doch die Zeit für die Konferenzvorbereitung habe sie sich gern genommen, schließlich sei es nicht nur spannend, sondern es mache ihr auch Spaß, sich mit anderen Schülern über gesellschaftliche Fragen auszutauschen. So diskutierten sie und Leon im Workshop unter anderem mit dem afghanischen Fußball-Nationalspieler Harez Habib (KSV Hessen Kassel) den Einbürgerungstest und darüber, was eine gelungene Integrationspolitik ausmacht. Währenddessen fühlten andere Schüler dem Gesundheitssystem auf den Zahn.

Eine Hälfte dieser Gruppe, die sich mit alternativer Medizin befasst hat, plädierte dafür, den „Menschen als Individuum, nicht als Dollarschein“ zu sehen - die andere machte sich darüber Gedanken, wie das Gesundheitssystem gerechter finanziert werden könnte.

Für den Workshop „Verantwortung“ hatten die Organisatoren unter anderem den Vizepräsidenten des Thüringer Landesarbeitsgerichts, Arno Tautphäus, als Experten eingeladen.

Mit ihm diskutierte die Gruppe anhand mitgebrachter Rechtsfälle und Beispielen aus dem Leben der Schüler, was Verantwortung für jeden einzelnen bedeutet. Dass ihr Engagement nicht auf dem Zeugnis belohnt wird, finden Maria und Leon übrigens nicht tragisch. Denn beiden, wie auch den übrigen Konferenzteilnehmern, geht es nicht nur um gute Noten - ihnen geht es vor allem um die Zukunft in einer Gesellschaft, die sie auf der JZK kritisch hinterfragen konnten.

Informationen zur Jugendzukunftskonferenz im Internet: www.jzk.jgs-kassel.de

Von Sebastian Schaffner

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