Forschungsprojekt setzt bei der Produktentwicklung auf Mitarbeiter aller Generationen

Alt und Jung teilen Wissen

Ulrich Bretschneider

KAssel. Junge Mitarbeiter in Unternehmen verfügen häufig über ein eher theoretisches Wissen, das aber dafür auf dem aktuellen Stand der Forschung ist. Zudem sind sie in der Regel fit im Umgang mit neuen Technologien. Ältere Mitarbeiter dagegen haben meistens ein ausgeprägtes Erfahrungswissen. Da liegt es nah, für die Entwicklung neuer Produkte beides zusammenzuführen? Genau das ist das Ziel des Projekts „Tandem“ an der Universität Kassel.

„Wir möchten ein systematisches, Altersgrenzen überschreitendes Innovationsmanagement entwerfen, das das Entwicklungspotenzial aller Mitarbeiter nutzt“, erklärt Dr. Ulrich Bretschneider. Der 38-Jährige ist im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik für das Forschungprojekt verantwortlich.

Innerhalb von Unternehmen werde oftmals den älteren Belegschaftsmitgliedern geringere Aufgeschlossenheit und Kompetenz im Umgang mit neuen Technologien unterstellt, weiß Bretschneider. Damit könnten meist die Jüngeren dienen. Doch für die Entwicklung neuer und vor allem die Weiterentwicklung bestehender Produkte sei auch das Erfahrungswissen der Älteren unverzichtbar, wie arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse belegten.

Das gelte besonders für wissensintensive Industrien, in denen die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen einen hohen Wissensstand voraussetzt, etwa in der Software- oder Medizintechnikbranche.

Zunächst geht es laut Bretschneider darum, die Mitarbeiter zu animieren, Innovationsideen zu äußern. Gesammelt werden diese auf einer Internet-Plattform, die innerhalb des Unternehmens eingerichtet wird. Anschließend werden Arbeitsgruppen - die Tandems - gebildet, in denen ältere und jüngere Mitarbeiter gemeinsam die Ideen weiterentwickeln.

Erfahrung bleibt erhalten

Am Ende sollen Entwicklungsprojekte daraus entstehen. „Durch die Zusammenarbeit der Mitarbeiter in Tandems wird zudem erreicht, dass das Erfahrungswissen der älteren Mitarbeiter auf die jüngeren Mitarbeiter übergeht“, sagt Bretschneider. So gehe das Wissen der Älteren bei deren Ausscheiden nicht verloren, sondern bleibe dem Unternehmen erhalten. „Es wird ein aktiver Kompetenz- und Erfahrungstransfer zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern sichergestellt“, erläutert der Wissenschaftler. Darüber hinaus würden in der Zusammenarbeit neue Ideen für Produkte und Prozesse gemeinschaftlich erarbeitet.

Das Projekt basiert auf der Leitidee offener Innovationsprozesse, bei denen Unternehmen Kunden und deren Erfahrungen in die Innovationsentwicklung einbeziehen. (mkx)

www.projekt-tandem.de

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Von Mirko Konrad

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