Senioren mischen sich bei den Vorlesungen gern unters Studentenvolk

Die Uni als Jungbrunnen

Muntere Gasthörer: Unser Foto zeigt von links Edletraud Hupfeld, Hans-Christoph Matthes und Ilse Möse, die Teilnehmer der Bürgeruniversität sind. Foto: Eder/HNA-Fotomontage:

Kassel. „Jetzt haben wir Semesterferien - wir wissen gar nicht, was wir machen sollen.“ Die beiden älteren Semester Dr. h.c. Hans-Christoph Matthes und Edeltraud Hupfeld nehmen ihre vorübergehende Auszeit aber mit Humor. Der 79-Jährige aus Ahnatal und die 60-Jährige aus Melsungen mischen sich seit einiger Zeit unter die Studenten - Matthes als Teilnehmer des von der Uni Kassel zertifizierten Studienprogramms und Hupfeld als Gasthörerin.

Bekannt ist das Programm unter dem Begriff Bürgeruniversität mit durchschnittlich 150 bis 200 Teilnehmern pro Semester. Diese verteilen sich auf ausgewählte 80 Lehrveranstaltungen von den Geistes- bis zu den Naturwissenschaften. Bis zu acht Veranstaltungen können besucht werden.

Früher als Kauffrau bei der Firma B. Braun Melsungen in verantwortungsvoller Stellung, genießt die Mutter eines erwachsenen Sohnes seit eineinhalb Jahren ihren Ruhestand - und ihre Ausflüge nach Kassel zur Uni. Sie ist fasziniert von „der Freiheit, die hier herrscht“.

Hupfeld hat zum ersten Mal in ihrem Leben eine Hochschule von innen gesehen. Denn als sie 1968 Abitur gemacht hatte, seien studierende Frauen noch Exotinnen gewesen, erzählt sie. Jetzt ist sie begeistert mit dabei in den Vorlesungen im Bereich der Geisteswissenschaften.

Matthes, der frühere Richter am Bundesarbeitsgericht, hat sich nun im Alter ganz der Geschichte verschrieben - von der Antike bis zur Neuzeit. Er habe mal etwas anderes machen wollen als Jura. Als Teilnehmer des zertifizierten Programms muss er drei Semester lang büffeln, am Ende steht eine Prüfung. „Die Uni finde ich einfach herrlich. Die Studenten sind freundlich und hilfsbereit“, sagt er. Ab und zu gehe er mit seinen älteren Kommilitonen auch mal nach der Vorlesung einen Kaffee trinken.

Die besondere Atmosphäre mit den jungen Studenten hat es dem Lehrer-Ehepaar Möse aus Wolfhagen angetan. Beide haben an der dortigen Wilhelm-Filchner-Schule unterrichtet.

„Wir hatten immer mit jungen Menschen zu tun. Ab und zu treffen wir auch mal einen unserer ehemaligen Schüler“, sagt Ilse Möse. Die beiden 71-Jährigen haben in ihrer Jugend Deutsch und Englisch studiert, jetzt widmen sie sich als Gasthörer interessanten Themen in Geschichte, Theologie und Philosophie. Ohne Leistungsdruck studieren zu können und mit vielen neuen Erkenntnissen nach Hause zu kommen - das ist für die beiden ein Jungbrunnen.

Mehr zur Uni finden Sie unter www.hna.de/uni

Von Beate Eder

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