Nicht häufiger krank als Kinderlose

Junge Eltern sind fit: 25- bis 39-Jährige meistern Mehrfachbelastung

Zwischen Familie und Beruf: Die meisten Eltern kriegen diesen Spagat offenbar gut hin. Foto: dpa

Kassel. Die Mehrfachbelastung von Männern und Frauen, die Beruf und Familie unter einen Hut bekommen müssen, wirkt sich offenbar nicht nachteilig auf die Gesundheit aus. Die Generation zwischen 25 und 39 Jahren sei nicht häufiger krank als jüngere Erwachsene, ergab eine bundesweite DAK-Studie, bei der 3100 Frauen und Männer befragt wurden.

Erwerbstätige Eltern seien zudem genauso wenig oder so viel chronisch gestresst wie kinderlose Erwerbstätige, erläutert Ernst-Jürgen Braun von der DAK-Gesundheit in Kassel.

Obwohl viele Männer und Frauen in diesem Alter häufig wegen einer Mehrfachbelastung unter Druck stehen, wirke sich das kaum bei den Krankschreibungen aus. Dabei wolle diese Generation in der „Rushhour des Lebens“ sich nicht nur im Job etablieren, sondern auch heiraten und Kinder bekommen. Deshalb seien die 25- bis 39-Jährigen besonders beansprucht, hält Braun vor Augen.

Ernst-Jürgen Braun

Arbeitnehmer in diesem Alter seien am häufigsten wegen akuter Infektionen der Atemwege krankgeschrieben. Sie stecken sich einfach häufiger bei ihrem Nachwuchs an. Aber auch Ansätze für chronische Leiden machten sich bemerkbar. So seien vier von zehn Beschäftigten dieser Generation bereits mit Rückenproblemen in Behandlung. Knapp acht Prozent der hessischen Männer seien in Therapie wegen Bluthochdruck, der häufig in Verbindung mit Stress und Bewegungsmangel steht. Auch depressive Episoden, Belastungsstörungen und Erkrankungen des Verdauungssystems kommen vor.

Alles in allem kommt die „Rushhour-Generation“ aber offenbar gut mit der Mehrfachbelastung klar. So geht die Hälfte der Männer und Frauen davon aus, Kinder und Karriere verwirklichen zu können. Dabei sind ihnen eine stabile Partnerschaft und ein solides berufliches Fundament die wichtigsten Voraussetzungen. So komme es, dass der Kinderwunsch häufig auf später verschoben werde, sagt Braun. Mitunter ticke dann aber schon die biologische Uhr. „Das sehen wir daran, dass in den letzten Jahren die Zahl der Behandlungen wegen ungewollter Kinderlosigkeit deutlich zugenommen hat.“

Weniger Schlaf

Zudem glauben 59 Prozent der befragten Mütter, Karrierenachteile zu erleiden. Junge Eltern machen außerdem Abstriche bei sich selbst: Sie bekommen weniger Schlaf und treiben weniger Sport, allerdings achten Eltern mehr auf gesunde Ernährung als Kinderlose.

In Bezug auf Familienfreundlichkeit hätten viele Arbeitgeber in Hessen noch Nachholbedarf, entnimmt Braun der Studie. Wunsch und Wirklichkeit lägen beispielsweise bei Betriebskindergärten- und Krippen und Terminplanungen auseinander. (hei)

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