Haus des Jugendrechts soll entstehen

Junge Täter sollen in Kassel schneller bestraft werden

Kassel. Junge Straftäter sollen künftig in Kassel schneller vor Gericht gestellt werden. Aus diesem Grund soll ein Haus des Jugendrechts in der Stadt eröffnet werden.

Das bestätigte Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann gegenüber der HNA.

In solchen Häusern, die es bereits in Frankfurt und Wiesbaden gibt, arbeiten Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe unter einem Dach.

Das Ziel der Einrichtung: Die Zusammenarbeit der Behörden soll optimiert sowie eine schnelle Bearbeitung von jugendstrafrechtlichen Verfahren gewährt werden. Dadurch soll auch eine Verkürzung der Verfahrensdauer erreicht werden. Dass das in der Praxis funktioniert, wird besonders am Beispiel der Stadt Wiesbaden deutlich: Im Jahr 2016 dauerte es hessenweit im Schnitt 1,5 Monate, dass es nach einer Straftat zur Anklage beim Jugendrichter kam. Im Haus des Jugendrechts in der Landeshauptstadt dauerte es gerade mal 0,31 Monate. Zudem ist die Prävention hoch angesiedelt, um Wiederholungstaten zu vermeiden.

In der letzten Woche gab es ein Treffen der Leiter der beteiligten Behörden im Polizeipräsidium Nordhessen, wo das Thema erörtert worden und auf allgemeine Zustimmung getroffen ist. Zur Freude der Justizministerin: Die Häuser des Jugendrechts seien echte Erfolgsmodelle, so Kühne-Hörmann. „Seit Jahren besteht das Angebot des Landes, auch in Kassel ein Haus des Jugendrechts einzurichten. Seit Jahren wurde dieses Angebot seitens der Stadt ignoriert. Dass jetzt endlich ein Umdenken bei der Stadt einsetzt, freut mich als örtliche Abgeordnete und zuständige Ministerin gleich doppelt.“

Die Stadt Kassel stehe einem Haus des Jugendrechts aufgeschlossen gegenüber, so Oberbürgermeister Christian Geselle. Allerdings könne man die Konzepte aus anderen Städten nicht eins zu eins übernehmen. Es müsse ein Modell entwickelt werden, das für Kassel passe. 

Staatliche Instutionen sollen schneller reagieren

Wann und wo das Haus des Jugendrechts in Kassel eröffnet wird und wie viele Menschen aus den einzelnen Behörden (Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe) sowie freier Träger zusammenarbeiten werden, steht derzeit noch nicht fest. Zunächst haben in Kassel alle Beteiligten signalisiert, dass sie solch ein Haus eröffnen wollen. „Nachdem bereits in anderen hessischen Städten gute Erfahrungen mit diesen Einrichtungen gesammelt wurden, wird ein Haus des Jugendrechts auch in Kassel ein Erfolgsmodell werden“, sagt Polizeipräsident Konrad Stelzenbach. 

„Wir haben in der schwarz-grünen Koalition vereinbart, dass die Häuser des Jugendrechtes weiter ausgebaut werden und freuen uns daher, dass die Stadt Kassel jetzt auch ein Haus des Jugendrechts vorantreiben will“, sagt Karin Müller, rechtspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, die aus Kassel kommt. Durch die enge Zusammenarbeit von Polizei, Jugendhilfe und Fachstaatsanwaltschaft könne schon viel im Vorfeld von Gerichtsverhandlungen abgeklärt werden. 

Der Schwerpunkt der Arbeit bei den Häusern des Jugendrechtes liege klar in der Prävention, den Jugendlichen werden gemeinsam mit Kooperationspartnern Hilfsangebote gemacht, um Wiederholungstaten zu vermeiden. „Wenn es in Kassel in Zukunft auch zu diesem Angebot kommt, findet das ausdrücklich unsere Unterstützung “, so Müller. 

Dem Modell „Haus des Jugendrechts“ liege der Gedanke zugrunde, dass die Institutionen des Staates auf sozial auffälliges Verhalten junger Menschen oftmals nicht abgestimmt beziehungsweise mit erheblichem Zeitverzug reagierten, so René Brosius, Sprecher im Justizministerium in Wiesbaden. 

Arbeiteten alle Beteiligten unter einem Dach, sei eine schnellere und „ganzheitliche“ Reaktion der staatlichen Instanzen möglich. Allerdings macht Brosius deutlich, dass eine Einbindung der Gerichte im Haus des Jugendrechts nicht vorgesehen ist. „Richter sind ausschließlich dem Gesetz unterworfen und entscheiden in sachlicher und persönlicher Unabhängigkeit“, so der Ministeriumssprecher. Dies solle auch nach außen durch eine räumliche Trennung dokumentiert werden. 

In Frankfurt und Wiesbaden, wo es diese Einrichtungen bereits seit Jahren gibt, habe man viele gute Erfahrungen gemacht, so Brosius. Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen habe sich von Anfang an positiv dargestellt. Regelmäßig erfolge ein Informationsaustausch. Sei ein Jugendlicher auffällig geworden, informiere der zuständige Sachbearbeiter der Polizei frühzeitig die Staatsanwaltschaft als auch der Jugendgerichtshilfe. Daraufhin werde der Jugendliche umgehend angesprochen, damit er begreife, dass die Sanktion eine Folge seines Fehlverhaltens ist. 

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.