Alter Streit mit JU belebt

Junge Union findet’s nicht cool: Kritik an Plakatkampagne der Kasseler CDU

Grinsend im Schwimmring: Mit diesen Plakaten sorgt die Kasseler CDU derzeit für Aufsehen und verärgert damit vor allem ihren eigenen Nachwuchs in der Jungen Union. Fotos: Michaelis, privat, Malmus

Kassel. Mit einer Plakatkampagne unter dem Motto „alles cool“ versucht die Kasseler CDU derzeit, neue Sympathien vor allem bei Jüngeren zu gewinnen. Doch nun gibt es Kritik.

Verscherzt hat es sich der Vorstand des Kreisverbandes deswegen wohl mit der eigenen Nachwuchsorganisation. Die Junge Union (JU) findet daran so gar nichts cool.

Die Kampagne transportiere „keinerlei politische Botschaft und geht leider auch völlig an der politischen Realität in Kassel vorbei“, kritisierte Kassels JU-Vorsitzender Martin Schröder in einer Pressemitteilung. „Sie verkennt eine Vielzahl von Problemen in unserer Stadt, mit denen sich die JU aktiv auseinandersetzt.“

Noch deutlichere Worte findet Schröder über die Initiatoren der Kampagne, die von einer CDU-„Arbeitsgruppe für junge Leute“ entwickelt wurde. Allein deren Gründung werte die Junge Union als „Affront“ und „gezielten Ausschluss des politischen Nachwuchses“, sagte Schröder.

Eva Kühne-Hörmann

Scharfe Kritik äußerte die JU an der Kasseler Parteivorsitzenden Eva Kühne-Hörmann, ohne direkt ihren Namen zu nennen. Und so hat die Kampagne den alten Streit zwischen Partei und Jugendorganisation wiederbelebt. „In nahezu allen Kreisen und Bezirken ist es üblich, dass die CDU ihren Nachwuchs aus den Reihen der Jungen Union gewinnt“, so Schröder. „Anders als in Kassel werden dort engagierte, junge Leute gefördert und so die Zukunft der Partei gesichert.“

Die Aufregung können der Vorsitzende der Stadtverordnetenfraktion Dr. Norbert Wett und Jörg Hildebrandt, beide Mitglied im Parteivorstand, nicht verstehen. „Es ging niemals darum, die Junge Union auszugrenzen“, sagte Hildebrandt. „Die JU hätte gern mitmachen können.“ Die Arbeitsgruppe sei wie jede andere auch in der Partei. Die JU „wird sich wieder beruhigen“, ist sich Dr. Wett sicher. „Man muss den Jungen auch mal Gelegenheit geben, Dampf abzulassen.“

Martin Schröder

Das Verhältnis ist seit Jahren zerrüttet – immer noch eine Folge des Machtkampfs zwischen Parteichefin Kühne-Hörmann und dem einstigen Widersacher Christoph Holler im Jahr 2005. Von der politischen Bühne in Kassel hat sich Holler längst zurückgezogen, aber er ist weiter Ehrenvorsitzender der Kasseler JU. Aus Parteikreisen ist zu hören, dass beide Seiten in den vergangenen Jahren immer wieder das vermittelnde Gespräch suchten – ohne Erfolg. Die Etablierung der Arbeitsgruppe für junge Leute wird nun als „endgültiger Bruch“ und „Kampfansage an die Junge Union“ von Parteichefin Kühne-Hörmann gewertet. Dabei ist die öffentliche Kritik an der CDU-Kampagne auch in der JU diskutiert worden, „weil es nur schadet“, sagt einer aus der Jungen Union. „Aber das konnten wir einfach nicht so stehen lassen.“

Christdemokraten aus anderen Teilen Hessens blicken übrigens eher verwundert nach Kassel. Dass sich CDU und Junge Union öffentlich so bekämpfen, gilt als geradezu einzigartig.

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